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Bertelsmann-Stiftung:Dunkle Wolken über der Denkfabrik

Weidenfeld selbst weist alle Vorwürfe von sich: "Da ist nichts dran, ich habe mir nichts vorzuwerfen"', sagte er der Süddeutschen Zeitung. Er sei schon von der Staatsanwaltschaft befragt worden: "Die Vorwürfe sind längst widerlegt, es handelt sich um Kleinkram." Auffällig sei, so Weidenfeld, dass ein anonymer Hinweis verfolgt werde: "Das ist eine gezielte Strategie der Rufschädigung."

Kuratorium distanziert sich

Bis der Verdacht geklärt ist, wird die Münchner Staatsanwaltschaft nach eigener Aussage noch ein bis zwei Monate benötigen. Aber selbst wenn Weidenfeld Recht behält, könnte sein Image bereits beschädigt sein: In der Stiftung mehren sich die Gerüchte, dass die stellvertretende Vorsitzende Liz Mohn, die Gattin von Firmengründer Reinhard Mohn, und ihre Vertrauten von Weidenfeld abrücken.

Im nächsten Jahr wird dem Gremium - wie auch dem Aufsichtsrat - der derzeitige Konzernchef Gunter Thielen vorstehen, der schönste Pläne hat. Die ostwestfälische Stiftung soll international werden, mit Dependancen in Washington und Moskau. Da stört eine kleine Spesenaffäre in heimischen Gefilden nur.

Auffällig ist, wie distanziert sich das Kuratorium der Stiftung, eine Art Aufsichtsrat, zu dem Verdacht äußert: "Das Kuratorium hat seit Kenntnis der Vorwürfe eine zurzeit noch andauernde interne Prüfung der Vorgänge veranlasst", sagte dessen Chef Dieter Vogel, der auch dem Aufsichtsrat von Bertelsmann vorsteht. "Die Bewertung der Ergebnisse wird zeigen, welche Maßnahmen gegebenenfalls getroffen werden müssen." Worte, die Weidenfeld bis zum Beweis der Schuld in Schutz nehmen, enthält der Text nicht.

Die Ermittlungen treffen die Stiftung in einem schlechten Moment. Zeichnet sich doch ab, dass die Einrichtung des Medienkonzerns Bertelsmann den Kontakt zu wichtigen Gesprächspartnern im Land verliert. So beschloss die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf ihrem jüngsten Bundeskongress, nicht mehr mit der Stiftung zusammenzuarbeiten. Verdi wirft der gemeinnützigen Denkfabrik vor, sich zu stark von kapitalistischen Konzerninteressen leiten zu lassen.

Die Stiftung beschere der Bertelsmann-Tochter Arvato neue Geschäfte, indem sie sich dafür einsetzt, dass öffentliche Tätigkeiten privatisiert werden, argwöhnt Verdi. "Wir haben den Eindruck, dass die Bertelsmann-Stiftung ihren politischen Einfluss benutzt, um den öffentlichen Dienst gezielt auf die 'feindliche' Übernahme von privaten Unternehmen à la Arvato vorzubereiten."

Die Stiftung hat dazu eine klare Gegenmeinung: Sie spricht von einem "offensichtlichen Missverständnis".