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Bertelsmann:Nummer drei

Bertelsmann - Jahreszahlen

Ein Bild aus besseren Tagen: Konzernlenker Thomas Rabe (links) mit Vorstand Achim Berg, dazwischen die RTL-Chefin Anke Schäferkordt.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Arvato-Chef Achim Berg verlässt Bertelsmann, es ist ein weiterer prominenter Abgang.

Von Caspar Busse

Den Kontakt zum Aufsichtsrat empfinde er "persönlich immer wieder als sehr bereichernd", sagte Bertelsmann-Vorstand Achim Berg im Frühjahr. Die jüngsten Gespräche dürften jedoch nicht ganz so erfreulich für ihn gewesen sein. An diesem Donnerstag nun teilte Christoph Mohn, Aufsichtsratschef des Gütersloher Medienunternehmens, nach einer Sitzung des Gremiums mit, dass Berg, 51, seinen Platz im Vorstand räumt - und zwar mit sofortiger Wirkung.

Es ist das plötzliche Aus für einen Mann, der als Hoffnungsträger gekommen war. Konzernchef Thomas Rabe hatte Berg vor zwei Jahren geholt, damit dieser die Dienstleistungstochter Arvato renoviert. Berg, der einen Drei-Jahres-Vertrag erhielt, hatte zuvor Karriere beim US-Konzern Microsoft gemacht, war dort einer der wenigen ausländischen Top-Manager und für das Mobilfunkgeschäft zuständig gewesen. Ein Manager mit internationalem Flair und Kompetenz aus der Hightech-Industrie - der sollte der Richtige für das konservative Gütersloh und Arvato sein. Doch offenbar knirschte es schon lange. Immer wieder wurde kritisiert, Berg nehme die Mitarbeiter nicht mit, sein Führungsstil passe nicht zu Arvato und zu Bertelsmann, er sei zu selbstverliebt und lediglich von sich überzeugt, zu wenig kooperativ.

Der Abgang ist auch eine Niederlage für Vorstandschef Rabe. Denn der hatte Berg als Nachfolger von Rolf Buch geholt und sich so viel von ihm versprochen. Es ist außerdem nicht der erste prominente Abgang in der Rabe-Ära. Auch Strategie-Vorstand Thomas Hesse und Finanz-Chefin Judith Hartmann suchten nach kurzer Zeit im Vorstand unter Rabe wieder das Weite. Offenbar hat der Chef in Sachen Vorstandsbesetzungen kein glückliches Händchen.

Berg hatte in den zwei Jahren immer wieder die Digitalisierung von Arvato gepredigt, hatte das Unternehmen deutlich umgebaut, auf Online-Handel gesetzt, auch Zukäufe umgesetzt. Die Dienstleistungstochter ist mit 70 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro die Geldmaschine im Bertelsmann-Konzern. Jeder Deutsche kommt nach Schätzungen durchschnittlich bis zu achtmal am Tag mit Produkten und Dienstleistungen von Arvato in Kontakt. Arvato liefert Handys für Vodafone und Software für Microsoft aus, organisiert für Lufthansa das Miles & More-Programm und für Modefirmen deren Onlineshops, betreibt Call-Center, kümmert sich um Abrechnungen, druckt und verteilt Bücher. Hier haben viele bei Bertelsmann ihren Aufstieg begonnen, etwa die ehemaligen Konzernchefs Thomas Middelhoff, Gunter Thielen und Hartmut Ostrowski.

Der Vorstand wird aufgelöst, die Dienstleistungstochter verliert an Selbständigkeit

Doch nun steht Arvato offenbar vor weiteren großen Veränderungen. Der Vorstand werde nun abgeschafft und durch eine Geschäftsleitung ersetzt, teilte Bertelsmann mit, die bisherigen Vorstandsstäbe in die Konzernführung eingegliedert. Der gebürtige Spanier Fernando Carro, 50, werde künftig im Bertelsmann-Vorstand für Arvato zuständig sein. Die Finanzen betreut im Nebenjob der bisherige Leiter der Bertelsmann-Hauptabteilung Zentrales Controlling, Rolf Hellermann.

Die einzelnen Arvato-Geschäftseinheiten sollen mehr Freiheit und Eigenständigkeit erhalten. Damit ist auch die Idee, die Dienstleistungsgeschäfte könnten sich gegenseitig befruchten, dahin. Manche vermuten, das könnten die Vorbereitungen für eine weitere Zerschlagung von Arvato sein. "Die Geschäfte von Arvato sind und bleiben eine tragende Säule in unserem Portfolio", betonte Rabe in einem internen Schreiben. Sie sollen künftig schneller auf Marktveränderungen reagieren können. für die Mitarbeiter ändere sich nichts.

Der umtriebige und kommunikative Carro war einst Sportjournalist. Er ist seit 1993 im Konzern. Zuletzt hat er die Buchklub-Aktivitäten von Bertelsmann abgewickelt. Dort hat er sich als Sanierer bewährt. Auch die Buchklubs wurden zuletzt direkt vom Konzern geführt, wie auch die Druckerei-Aktivitäten. Und die Konzerntochter Gruner + Jahr wurde von einer AG in eine GmbH umgewandelt und enger an Gütersloh herangeführt. RTL ist dagegen eine börsennotierte AG, das Buchgeschäft Random House Penguin ein Gemeinschaftsunternehmen.

"Das Familiengeführte gibt einem die Freiheit, auch langfristig zu denken, nicht immer nur von Quartal zu Quartal", sagte Berg noch im Frühjahr. Für ihn ist nun kurzfristig Schluss.

© SZ vom 10.07.2015

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