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Bertelsmann:Napster wird zum Bumerang

Obwohl die Musiktauschbörse bereits verkauft wurde, hängt sie Bertelsmann immer noch nach: Der britische Musikriese EMI schließt sich einer Sammelklage in den USA gegen den deutschen Medienkonzern an. 17 Milliarden Dollar Streitwert stehen bislang im Raum.

Der britische Musikriese EMI hat sich der Online-Ausgabe der Financial Times zufolge einer Milliarden-Klage gegen den Medienkonzern Bertelsmann wegen dessen Engagements bei der Musiktauschbörse Napster angeschlossen. EMI habe in New York Klage wegen Urheberrechtsverletzung eingereicht, berichtete FT.com. Bertelsmanns Investitionen in Napster hätten der Musiktauschbörse erlaubt, den Betrieb fortzusetzen, hieß es zur Begründung.

Die Musikindustrie hatte mit aller Kraft versucht, die Musiktauschbörse mit einst mehr als 60 Millionen Nutzern wegen Urheberrechtsverletzungen zu schließen. Nach mehreren Gerichtsurteilen wurde Napster stillgelegt, musste Insolvenz anmelden und ging schließlich für fünf Millionen Dollar an die Softwarefirma Roxio, die unter dem Namen einen Internet-Musikvertrieb aufbauen will.

Eine große Fehlinvestition

Bertelsmann wollte ebenfalls die Bekanntheit der Marke Napster für eine kommerzielle Online-Plattform nutzen und investierte in Napster rund 85 Millionen Dollar. Das Projekt scheiterte jedoch an den Rechtsstreitigkeiten. Im vergangenen Monat hatte sich bereits der weltweit zweitgrößte Medienkonzern Vivendi Universal der Klage gegen Bertelsmann angeschlossen.

FT.com zufolge hatte die Ausgangsklage mehrerer Musikverleger und Künstler gegen Bertelsmann ein Volumen von 17 Milliarden Dollar. EMI fordere von Bertelsmann wie bereits Vivendi Universal 150.000 Dollar für jeden Fall der Urheberrechtsverletzung.

"Bertelsmann spricht der Klage keine Erfolgsaussichten zu", betonte Konzernsprecher Oliver Hergesell und bestätigte den Eingang der Klage, wollte den Vorgang aber nicht kommentieren.

Die Napster-Plattform erlaubte es Nutzern, Musikdateien untereinander auszutauschen. Nach den gerichtlichen Auseinandersetzungen wurde versucht, Software-Filter zum Schutz von Urheberrechten zu installieren.