Bertelsmann-Chef Ostrowski:"Ist das Buch noch das Medium, auf das Sie setzen?"

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Frage: Random House ist die größte Buchgruppe der Welt. Ist das Buch noch das Medium, auf das Sie setzen?

Ostrowski: Ich bin sicher, dass es auch in vielen Jahren noch gedruckte Bücher geben wird. Durch die neuen Geräte gibt es zudem viele Möglichkeiten für neue digitale Formate. Die neuesten Titel, die wir jetzt gerade in den USA auf den Markt bringen, haben teilweise schon einen E-Book-Anteil von 25 Prozent.

Frage: Aber die Autoren könnten sich durch die neuen technischen Möglichkeiten von Verlagen unabhängig machen.

Ostrowski: Das Verlagsgeschäft besteht nicht nur aus Druck und Vertrieb. Bei den meisten Titeln ist es so, dass unsere Verleger und Lektoren intensiv mit den Autoren am Buch arbeiten. Auch das Marketing spielt eine Rolle. Es hat auch in der Vergangenheit immer wieder Versuche gegeben, Bücher selbst zu verlegen, das war in der Breite nicht sehr erfolgreich. Die Konzentration auf die großen Marken wird auch bei den neuen Medien eher zunehmen.

Frage: Die Frage ist aber, wie man im Internet Geld verdient. Die meisten Zeitungen stellen ihre Inhalte nach wie vor kostenlos im Netz zur Verfügung.

Ostrowski: Jetzt, da das Internet mobil wird, haben die Medienunternehmen die Chance, diesen Fehler zu korrigieren. Wir müssen aber unsere Inhalte so anpassen, dass die Menschen auch bereit sind, dafür zu bezahlen. Zudem muss der Bezahlvorgang im Netz einfacher werden. Bislang ist das alles noch viel zu kompliziert.

Frage: In Ihrem Konzern ist auch das erfolgreichste Sachbuch des Jahres erschienen, das von Thilo Sarrazin. Wissen Sie ,wie viele Bücher bisher verkauft worden sind?

Ostrowski: Wir liegen jetzt bei gut einer Million. Es ist nicht nur das erfolgreichste Sachbuch des Jahres, sondern zumindest des Jahrzehnts. Das Buch hatte offensichtlich seine Berechtigung, sonst wäre es ja nicht so oft gekauft worden.

Frage: Es ist Ihnen nicht peinlich, dass das Buch in Ihrem Hause erscheint?

Ostrowski: Nein, überhaupt nicht. Ich habe das Buch gelesen. Es ist ein Aufruf zu einer gesellschaftlichen Diskussion. Es ist viel wissenschaftlicher, als man gemeinhin annimmt. Ob ich jetzt mit allem, was in dem Buch steht und mit allem, was darüber gesagt wird, einverstanden bin? Nein. Aber ich bin froh, dass ein Verlag aus dem Haus Bertelsmann eine gesellschaftliche Diskussion unterstützt hat. Dieses Buch wird in die Geschichte eingehen, da bin ich sicher.

Das komplette Interview ist an diesem Sonntag, 28. November, 13.00 Uhr und 22.30 Uhr, beim Fernsehsender Phoenix zu sehen.

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