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Berliner Flughafen:"Ein zweckmäßiges Gebäude, keine Kathedrale des Verkehrs"

Hauptstadtflughafen BER

Noch ist der Himmel leer über BER. Im Terminalgebäude in Schönefeld bei Berlin beginnen nun entscheidende Tests der Brandschutzanlagen.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)
  • Am unfertigen Hauptstadtflughafen wird ein Zusatz-Terminal gebaut - ein "zweckmäßiger Industriebau". Der ist nötig, weil der BER schon zum Start zu klein sein wird.
  • Der Flughafen muss nach der Eröffnung zunächst 22 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen können. 2020 soll es endlich losgehen.

Der Wille zur Bescheidenheit dürfte auch mit den schlechten Erfahrungen zu tun haben. Davon haben sie mehr als genug gemacht am BER, der ewigen Baustelle für den Hauptstadtflughafen. Eigentlich sollte dieser in Schönefeld am Rand der Stadt schon seit sechs Jahren eröffnet sein. Doch Planungschaos und Baumängel haben das anspruchsvoll angelegte Projekt an den Rand des Scheiterns gebracht. Inzwischen ist die Inbetriebnahme für Oktober 2020 geplant. Schon im Sommer 2020 soll das "Terminal 2" fertig sein, ein Ergänzungsbau, der gebraucht wird, weil der BER schon zum Start zu klein sein wird.

Kurz vor einer Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft an diesem Freitag hat Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup die Pläne für das Ergänzungsterminal konkretisiert. "Es wird ein zweckmäßiges Gebäude, keine Kathedrale des Verkehrs", sagt er über das Terminal für jährlich sechs Millionen Passagiere, einen "gehobenen Industriebau mit einer sehr einfachen Architektur".

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Auf Raffinesse wird verzichtet, der Bau soll schnell fertig werden und funktionieren. Zur Schlichtheit gehört, dass man auf Deckenverkleidungen verzichtet. Der Rauch würde im Brandfall durch Klappen auf dem Dach abgeleitet und nicht wie beim Hauptterminal über eine komplizierte Entrauchungsanlage im Keller. Das Prinzip sei: "Keep it simple."

Das entspricht dem Masterplan für den weiteren Ausbau des BER, der langfristig eine Kapazität von 46 Millionen Passagieren im Jahr bewältigen soll. An diesem Masterplan arbeitet die Flughafengesellschaft FBB angesichts der steigenden Fluggastzahlen in der Hauptstadt seit Längerem. Erst mal geht es darum, zur BER-Inbetriebnahme im Oktober 2020 genug Kapazität aufzubauen.

"Wir liegen beim BER gut im Plan"

Denn gleichzeitig soll der Flughafen Tegel geschlossen werden, über den jetzt der Großteil der Flüge von und nach Berlin läuft. Der BER allein soll nach der Eröffnung zunächst 22 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen können. Schon im letzten Jahr aber flogen 33,3 Millionen über die Flughäfen der Hauptstadt. Dennoch werde es keinen Engpass geben, sagt Lütke Daldrup - eben weil rechtzeitig das Terminal 2 entstehe und der alte Schönefelder Flughafen, der neben dem BER liegt, mit einer Kapazität von bis zu 13 Millionen Passagieren weiter genutzt werden soll, bis Ende 2025. Für die Zeit danach wird ein drittes Terminal geplant.

Das Terminal 2 soll in knapp zwei Jahren Bauzeit vor dem bereits fertigen Nordflügel des BER entstehen. Die Baugenehmigung ist beantragt. Alles soll in einer Hand liegen, es wird ein Generalunternehmer gesucht. Die Kosten sind auf 100 Millionen Euro veranschlagt, aber es wird angesichts des engen Baumarkts bereits über Mehrkosten spekuliert. Das Terminal 2 könnte in Verbindung mit dem Nordflügel allein in Betrieb gehen, falls das problematische BER-Hauptterminal noch später fertig wird. Lütke Daldrup aber versichert, dass man diesmal den Termin hält: "Wir liegen beim BER gut im Plan."

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