Berenberg-Bank:Die fragwürdigen Geschäfte von Deutschlands ältester Privatbank

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Privatbanken legen konservativ an und setzen damit Trends in der Finanzkrise

Das Hamburger Bankhaus Berenberg wurde 1590 gegründet, es ist in Deutschlands älteste Privatbank. Entsprechend ehrüwrdig klingt ihr Leitsatz: "Verantwortungsvolles Handeln ist unser Prinzip".

(Foto: Berenberg)

Wechselstuben in Südamerika, Firmen aus einem verdächtigen Netzwerk: Die Berenberg-Bank ließ sich auf Kunden ein, die nicht zur eigenen Geschichte passen.

Von Klaus Ott und Jan Strozyk

Wenn eine Bank erklärt, "die Geschäfte, die wir heute betreiben, halten wir sowohl für legal als auch für legitim", dann muss früher wohl einiges sehr fragwürdig gewesen sein. Die Bank Berenberg aus Hamburg hat früher tatsächlich viele fragwürdige Geschäfte gemacht. Mit Währungs-Wechselstuben in Südamerika, die unter Geldwäsche-Experten generell als riskant gelten. Mit Kunden, die man offenbar nicht selbst in Augenschein genommen hatte, sondern dies einer Wirtschaftsprüfgesellschaft aus Zypern überließ. Mit Firmen, die von Scheindirektoren aus einem mutmaßlich kriminellen Netzwerk geleitet wurden, das von Drogenhändlern, Waffenschiebern und Mafiosi genutzt worden sein soll.

Was SZ, NDR und WDR bei Recherchen über Berenberg an fragwürdigen Verbindungen aus der Vergangenheit gefunden haben, ist noch weit mehr als das, was aufgrund der Panama Papers bekannt wurde. Die Bank hatte sich offenbar jahrelang nicht gescheut, Geschäfte mit finsteren Gestalten zu machen, die in zweifelhafte Waffenlieferungen und andere dubiose Deals verwickelt gewesen sein sollen.

Es scheint, als habe Berenberg immer mal wieder Grenzen ausgelotet

Berenberg ist nicht irgendeine Bank. Berenberg ist die älteste deutsche Privatbank und die zweitälteste der Welt. Das Institut legt Wert auf hanseatische Tugenden. "Verantwortungsvolles Handeln ist unser Prinzip", lautet eines der Leitmotive. Geleitet wird Berenberg von Hans-Walter Peters, der im April im Bundesverband deutscher Banken (BdB) das Präsidentenamt übernahm. Peters und der BdB, das passt irgendwie zusammen. Beide tun sich schwer, Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit öffentlich konsequent aufzuarbeiten. Obwohl beide mehr als genug Anlass dazu hätten.

Bei Berenberg sieht es so aus, als habe die weltweit agierende Bank aus der Hansestadt immer wieder mal getestet, was geht und was nicht. Wie weit kann man gehen, des Profits willen?

Beispiel Wechselstuben: Im Jahre 2010 stellte Berenberg drei Monate lang, von Februar bis Mai, Konten für Wechselstuben in mehreren südamerikanischen Staaten zur Verfügung. Obwohl solche Büros, in denen Bargeld von einer Währung in die andere getauscht wird, gerade auf diesem Kontinent unter Kriminal-Experten als suspekt betrachtet werden. Da lässt sich leicht Geld waschen, das aus schmutzigen Deals stammt. Nach kurzer Zeit beschloss die Geschäftsleitung von Berenberg, doch keine Geschäfte mit Wechselstuben zu machen. Das hätte man auch gleich sein lassen können.

Kontopapiere deuten auf fragwürdige Geschäftsbeziehungen hin

Der missglückte Ausflug nach Südamerika gehört sicherlich zu den diversen Aktivitäten, die Berenberg "heute so nicht mehr machen" würde, wie die Bank erklärt. Aktivitäten, bei denen sich das Institut aber bis heute schwer tut, Fehltritte, Versäumnisse und Missstände auch zuzugeben. Beispiel Vanagels: Das ist eine mutmaßlich kriminelle Vereinigung, benannt nach Erik Vanagels, einem Obdachlosen aus Litauen, der bei Hunderten Briefkastenfirmen als Direktor eingetragen ist. Eine reine Schein-Konstruktion, damit die Hintermänner im Dunkeln bleiben. Durch dieses Netzwerk sollen viele Milliarden Dollar geschleust worden sein, die aus kriminellen Geschäften stammen. Bis hin zu Korruptionsdelikten.

Kontopapiere und andere Dokumente legen nahe, dass Berenberg Geschäftsbeziehungen zu Firmen hatte, die von Scheindirektoren aus dem Vanagels-Verbund geleitet wurden. Etwa von einer Yoga-Lehrerin aus Zypern, die eine Firma namens Mountain Blue Assoc. führte. Zypern, das als Steuer- und Geldwäscheoase gilt; eine Firma mit einem Allerweltsnamen; und eine Yoga-Lehrerin; das ist keine besonders empfehlenswerte Kombination. Erst recht nicht, wenn es um Gesellschaften aus dem Vanagels-Netzwerk geht. Es gab bei Vanagels offenbar noch mehr solcher Fälle.

Aufarbeitungen dürften noch lange andauern

Berenberg äußert sich nicht im Detail dazu, des Bankgeheimnisses wegen, was nachvollziehbar ist. Berenberg verweist aber auf "allgemeine Ausführungen" der Wirtschaftsprüfgesellschaft Deloitte, die im Auftrag der Bank vor Jahren diverse Transaktionen geprüft hat. Deloitte sagt im Kern, Firmen aus der Vanagels-Connection würden öffentlichen Quellen zufolge von Personen und Gruppen genutzt, die der "organisierten Kriminalität zuzurechnen sein sollen". Solche Firmen, gemeint sind Offshore-Gesellschaften, würden teilweise von Mittelsmännern geleitet, also von Scheindirektoren. "Der Einsatz solcher Mittelspersonen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Verbindung zur organisierten Kriminalität besteht", erklärt Deloitte. Man müsse jeden Fall einzeln betrachten.

Genau das hat Berenberg möglicherweise nicht genau genug getan, sondern sich auf andere verlassen. Weitere Unterlagen zeigen, dass die Bank sich bei der Prüfung von Kunden neben eigenem Personal etliche Jahre lang auch einer Wirtschaftsprüfgesellschaft aus Zypern bediente. Jener Geldwäscheoase, die für merkwürdige Transaktionen bekannt ist. Die Wirtschaftsprüfgesellschaft von der Insel soll Berenberg etliche Klienten zugeführt und auch gleich selbst in Augenschein genommen und für in Ordnung befunden haben. 2011 wurde das beendet, offenbar aus gutem Grund. Berenberg sagt, zu Einzelfällen äußere man sich nicht. Es sei aber grundsätzlich möglich, dass auch Wirtschaftsprüfgesellschaften sich um die "Identifizierung von Kunden" kümmerten.

Die 1590 gegründete Bank muss noch vieles aufarbeiten, das kaum zur eigenen Firmengeschichte passt, mit einer Ausnahme vielleicht. Im 19. Jahrhundert hatte sich ein Mitglied der Eigentümerfamilie mit Zucker verzockt.

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