Preiserhöhungen bei Benzin Wettbewerb an der Zapfsäule, Kooperation in der Raffinerie

Verschwörungstheorien über die Machenschaften der Mineralölindustrie gibt es schon zuhauf, jetzt gibt es eine mehr. Gerüchteweise prüft Aral, wie der Konzern Tankstellenpächter zu Preiserhöhungen ermuntern könne. Doch die Entrüstung geht am eigentlichen Problem vorbei: Wer die Spritpreise wirklich senken will, muss die Raffinerien entflechten.

Ein Kommentar von Silvia Liebrich

Autofahrer regen sich gern auf. Ein Anlass findet sich immer. Ob es die vielen Baustellen auf deutschen Straßen sind, lange Staus oder die Autobahnmaut für alle. Den größten Ärger verursachen aber in schöner Regelmäßigkeit vermeintlich überhöhte Benzin- und Dieselpreise. Die Rollen scheinen klar verteilt zu sein: Auf der einen Seite stehen die bösen Tankstellenkonzerne und auf der anderen Seite die abgezockten Autofahrer.

Aral gehören etwa 2500 Tankstellen in Deutschland. Der Konzern dementiert das Gerücht, er prüfe ein Modell, das zu höheren Sprit- und Dieselpreisen führen könnte.

(Foto: AP)

Dass das übliche Getöse zur Ferienzeit in diesem Sommer ausgeblieben ist, dürfte vor allem daran liegen, dass die Preise an den Zapfsäulen zuletzt eher gesunken sind. Hintergrund ist die schwächelnde Weltwirtschaft, die den Ölpreis drückt. Doch dafür bahnt sich nun neuer Ärger an. Angeblich prüft Marktführer Aral ein neues Provisionsmodell für Tankstellenpächter, das höhere Sprit- und Dieselpreise zur Folge haben könnte. Laut einem Bericht der Welt sollen Pächter finanziell belohnt werden, wenn sie ihren Treibstoff möglichst teuer verkaufen. Vom Betreiber Aral, der zu BP gehört, wird das vehement bestritten.

Verschwörungstheorien wie diese über die Machenschaften der Mineralölindustrie gibt es zuhauf, auch wenn die meisten einer nähere Betrachtung nicht stand halten. Das dürfte auch für das neueste Gerücht gelten. Ein Tankstelle, die beharrlich an ihren hohen Preisen festhält, während die Konkurrenz nach unten geht, wird über kurz oder lang nichts mehr verkaufen und ihre Kundschaft verlieren, weil es in der Regel bis zur nächsten Station nur ein paar Kilometer sind.

Konkurrenz auf engstem Raum

In kaum einem anderen Land gibt es so viele Tankstellen auf engstem Raum wie in Deutschland: mehr als 15.000 insgesamt, etwa 2500 gehören zu Aral. Ein dichtes Tankstellennetz allein garantiert jedoch noch keinen fairen Wettbewerb. Dies hat das Bundeskartellamt vor kurzem festgestellt. Zwar konnte es den fünf großen Tankstellenbetreibern Aral, Shell, Esso, Total und Jet keine illegalen Absprachen nachweisen. Das wäre auch nicht nötig, schließlich sind die Preistafeln an den Straßenrändern weithin sichtbar.

Doch die Konkurrenz auf engstem Raum führt dazu, dass sich Tankstellenbetreiber gegenseitig belauern. Erhöht oder senkt der Konkurrent an der nächsten Straßenecke die Preise, ziehen die anderen meist schnell nach. Höhe und Zeitpunkt der Anpassung steuert die Konzernzentrale.

Verboten ist dieses Vorgehen, das zu einheitlichen Preisbewegungen führt, nicht. Doch die führenden Mineralölkonzerne müssen sich auf Grund dieser Besonderheit strenge Kontrollen durch die Kartellbehörden gefallen lassen. So unterliegt etwa der Zukauf weiterer Stationen strengen Auflagen. Dies dient auch dem Schutz freier Tankstellen, die sich dem Preisdiktat der Großen ohnehin nur schwer entziehen können. Schließlich stammt das Benzin, das sie in ihre Vorratstanks füllen, aus den Raffinerien der großen Marktführer.

Genau hier, im Raffineriegeschäft, liegt die eigentliche Ursache für den eingeschränkten Wettbewerb auf dem Tankstellenmarkt. Große Anlagen sind Milliardeninvestitionen. Sie werden deshalb meist von mehreren Mineralölkonzernen gemeinsam betrieben. Das bedeutet: was in der Raffinerie hergestellt wird, kostet für alle Abnehmer etwa gleich viel. Das begrenzt den Handlungsspielraum für die Preispolitik an der Zapfsäule und schränkt den Wettbewerb ein.

Wer die Macht der Mineralölkonzerne brechen will, muss das Raffineriegeschäft entflechten. Ob dies sofort zu niedrigeren Spritpreisen führt, ist aber fraglich. Eine erzwungene Umstrukturierung kostet Geld, und diese Mehrkosten werden die Ölkonzerne an die Autofahrer weiterreichen. Zudem zögert das Bundeskartellamt, an diese schwierige Frage heranzugehen. Es würde nicht viel nützen, nur die deutschen Anlagen zu entflechten. Das müsste international geschehen und ist deshalb illusorisch.