Süddeutsche Zeitung

Belén Garijo:Die Ausreißerin

Die Spanierin Belén Garijo wird im Mai Chefin der Chemie-und Pharmafirma Merck - und damit die erste alleinige Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens.

Von Elisabeth Dostert

Im Oktober erschien im Time Magazine ein Gastbeitrag von Belén Garijo, 60. Sie erzählt darin, wie sie wurde, was sie ist, und was sie treibt. Lange bevor sie Managerin in der Pharmaindustrie wurde, sei sie Ärztin in einem Krankenhaus in Madrid gewesen. Da habe sie schätzen gelernt, was es bedeutet, Patienten mit Empathie, Würde und individualisierter Pflege zu begegnen. Ohne diese Sichtweise, schreibt Garijo, "behandeln wir nur Krankheiten, nicht Menschen." Die Spanierin beklagt dabei auch, dass klinische Studien nicht divers genug angelegt seien. Frauen, Schwarze und Latinos seien chronisch unterrepräsentiert, Männer und Asiaten überrepräsentiert.

Studien über den Grad der Diversität gibt es für viele Themen und Gruppen. Im Management von Dax-Konzernen beispielsweise sind Frauen immer noch sehr selten vertreten, es gibt immer noch viele ohne Frau im Vorstand. Mit der US-Amerikanerin Jennifer Morgan in einer Doppelspitze mit Christian Klein beim Softwarekonzern SAP hat es erst eine Frau auf den Chefposten geschafft, nach sechs Monaten schied sie wieder aus.

Garijo wird die erste Frau sein, die einen Dax-Konzern alleine führt. Am 1. Mai 2021 löst sie Stefan Oschmann als Vorsitzenden der Geschäftsleitung beim Darmstädter Konzern Merck ab, statistisch kann sie als Ausreißerin gelten. Merck ist ein börsennotiertes Familienunternehmen. Bewerber für Positionen im Management müssen eine doppelte Prüfung bestehen, sie müssen nicht nur externe Investoren begeistern, sondern auch einer Familie gefallen, die weit über die Laufzeit von Vorstandsverträgen hinaus agiert.

Garijo hat durch ihre Arbeit überzeugt. Sie hat das darbende Pharmageschäft saniert. "Ich bin in der Lage, harte Entscheidungen zu treffen", sagte Garijo einmal der Welt am Sonntag: "Aber schlimmer, als hart zu entscheiden, ist es, aus Angst vor Fehlern gar nichts zu entscheiden." So kämpft sie für das, was sie will. Nach dem Studium der Medizin betreut sie in einer Klinikkette in Madrid klinische Studien. Nach sechs Jahren wechselt sie in die Pharmaindustrie. Zu den Stationen zählen Abbott und Rhône-Poulenc. Für Merck arbeitet sie seit 2011. Im Jahr 2015 steigt sie in die Geschäftsleitung auf, schon seit Juli 2020 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung.

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