Bekleidung Kurven zeigen!

"Haltung zeigen. Selbstliebe fördern" - das wollen Influencerinnen für Mode in größeren Größen. Aber ist das nicht auch bloß eine Form von Marketing?

Von Johanna Bruckner

Nicht mal das Privatfernsehen kann die deutsche Einkaufsrealität schönmalen. Als Fenna Müller im Frühjahr 2018 an der populären Vox-Sendung "Shopping Queen" teilnahm und in ihrer Heimatstadt Karlsruhe innerhalb von vier Stunden ein komplettes Outfit zusammenstellen sollte, passierte im Beisein des Filmteams das, was die 28-Jährige auch im Alltag ohne Kamera immer wieder erlebt: Die Hose, die sie sich ausgesucht hatte, gab es nur bis Größe 42 - die junge Frau mit dem platinblonden Bob trägt aber 44/46.

Obwohl sie damit ziemlich genau den Maßen der deutschen Durchschnittsfrau entspricht, die laut Statistischem Bundesamt ihre Kleidung in Größe 42/44 kauft, wird Müller oft nur im Internet fündig. Die Bankkauffrau teilt auf Instagram als "fennalein" fast täglich das, was sie trägt, mit ihren knapp 10 000 Followern: Kleid mit Taillengürtel, schwarzer Ledermini, helle Röhrenjeans in Used-Optik. Mit dem Mollig-Mode-Image einer Marke wie Ulla Popken hat das nicht viel gemein - vielleicht auch deshalb arbeitet das deutsche Traditionshaus für große Größen seit Kurzem verstärkt mit jungen Trendsetterinnen wie Müller zusammen. "Ullas Mädels" heißt eine Kampagne des Unternehmens mit Sitz im niedersächsischen Rastede. Man wolle, so der Claim: "Haltung zeigen. Selbstliebe fördern. Starke Frauen zusammenbringen".

Ein hehres Anliegen - das aber auch ein bisschen nach dem durchschaubaren Versuch klingt, die Body-Positivity-Bewegung in Marketingdeutsch zu übersetzen. Ulla Popken vertreibt seit 1987 Mode ab Größe 42. Verkauft wird diese deutschlandweit in mehr als 300 Filialen und über einen Onlineshop. Während das Unternehmen mit dem Fokus auf große Größen unter den deutschen Labels lange nahezu eine Alleinstellung hatte, ist gerade im jungen Segment Konkurrenz nachgewachsen. Ein Beispiel ist der britische Onlinehändler Asos: Dessen "Curve & Plus-Size"-Sortiment fängt bei 44/46 an und geht bis Größe 58/60.

Und während auf der Startseite von Ulla Popken figurversteckende Oberteile in großflächigen Mustern dominieren, bietet Asos das, was junge, modebewusste Frauen mit Kurven wie Fenna Müller suchen: Kleidung, die auf den ersten Blick deutlich macht, dass die Trägerin nichts verstecken will.

Anfangs sei sie unsicher gewesen, ob eine Kooperation sinnvoll sei, erzählt die 28-Jährige, die seit einem halben Jahr mit Ulla Popken zusammenarbeitet. Aber die Qualität der Kleidung, die oft besser sei als die der Internetkonkurrenz, habe sie überzeugt. Müller sucht sich meistens Basic- Teile aus, die sie dann kombiniert. "Es ist schönes Gefühl, wenn man Optionen hat - und im Laden nicht immer nach der größten Größe fragen muss."