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Bei uns in Zürich:Potenziell gesünder

Philip Morris will in der Schweiz künftig nicht mehr für Zigaretten werben. Aber für E-Zigaretten. Suchtexperten der Alpenrepublik stellen diesen ein gutes Zeugnis aus.

Flug nach Zürich. Eine freundliche Automatenstimme mahnt die Passagiere, bei Start und Landung die Tische hochzuklappen, das Gepäck unter den Sitzen zu verstauen und die Gurte zu schließen. Es handle sich darüber hinaus um einen Nichtraucherflug, lehrt die Stimme, nun eher streng im Ton. "Das gilt auch für E-Zigaretten".

Kurz überlegt man, auf der Flugzeugtoilette eine zwei Meter große Wasserpfeife zu entflammen, da schickt das Handy, Wlan sei dank, eine kurze Meldung: Philip Morris, der berüchtigte Tabakkonzern aus den USA, will in der Schweiz künftig nicht mehr für Zigaretten werben. Alle Werbeaktivitäten des Tabakkonzerns werden ab sofort ausschließlich "rauchfreie Produkte" wie E-Zigaretten anpreisen, verspricht das Unternehmen. Diese würden weniger Schadstoffe abgeben und seien damit "potenziell" deutlich gesünder.

Dass sich Philip Morris um die Schadstoffbelastung in den Atemwegen seiner Kunden sorgt, ist unwahrscheinlich. Stattdessen kommen im Statement des Managing Directors so häufig die Worte "neu" und "innovativ" vor, dass die Ankündigung nur einen Schluss zulässt: Rauchen ist so verdammt out, dass nicht einmal mehr Tabakkonzerne damit assoziiert werden wollen. Ein Gesetz, das die Industrie zu diesem Schritt zwingt, gibt es nicht. Die Schweiz ist das einzige europäische Land, in dem Tabakwerbung in der Presse noch erlaubt ist.

Anfang des Jahres hatte das Unternehmen in verschiedenen britischen Zeitungen eine Kampagne geschaltet, die das aufgriff, was sich viele besonders treue Kunden jedes Jahr aufs Neue vornehmen: Mit dem Rauchen aufhören. Das sei auch der Vorsatz von Philip Morris, hieß es da plötzlich, man wolle zu einer "rauchfreien Zukunft" beitragen. Eine Lösung dabei seien E-Zigaretten. Schließlich sei die undurchsichtige Wolke, die beim E-Smoking entstehe kein Rauch, sondern Dampf.

Während Gesundheitsexperten in Großbritannien die Kampagne mit Skepsis betrachteten, stellen Schweizer Suchtexperten E-Zigaretten ein gutes Zeugnis aus. Auch wenn keine Langzeitstudien vorliegen, geht man davon aus, dass sie zwanzigmal weniger schädlich sind als echte Zigaretten. Wer ohnehin Raucher ist, dürfte damit also gesünder durchs Leben gehen.

Im Flugzeug nach Zürich haben all diese Unterscheidungen keinen Platz. Die Reisenden fühlten sich auch von Dampf gestört, sagt die Stewardess. Um gleich darauf mit fünf Stangen Feuer-Zigaretten unter dem Arm den Duty-Free-Verkauf einzuläuten.