Da fährt man ein paar Tage ins Umland und plötzlich ist das Café an der Ecke nicht mehr da. Oder die Buchhandlung, der Friseur, der Nudelimbiss: umgezogen, geschlossen, das Gebäude über Nacht abgerissen. Fast jeder in Peking hat so etwas schon mal erlebt - es ist leider beinahe Alltag. Dass aber ein ganzes Stadion mal eben so verschwindet, das kommt selbst in Peking nicht allzu oft vor. Das Arbeiterstadion, 1959 erbaut auf Anordnung von Mao Zedong, ist nur noch ein Geröllhaufen. Von "Renovierungsarbeiten" hatte man vor dem Urlaub gelesen, offenkundig wurde das sehr radikal interpretiert. Die neue Arena soll 2023 fertig sein.
Das alte Arbeiterstadion war ein Fixpunkt in der Stadt: Das SZ-Büro liegt um die Ecke, in der Arbeiterstadion-Nordstraße nämlich, Hausnummer 1. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens das sich nicht ändert und der Neubau hernach den Namen irgendeines Sponsors trägt, einer Versicherung vielleicht, und die umliegenden Straßen entsprechend umbenannt werden.
Nach den Stadiontrümmern der nächste Schock: Auch das japanische Restaurant, so etwas wie die SZ-Kantine in Peking, hat dichtgemacht. Immerhin soll der Laden gleich in der Nähe wieder eröffnen - und nicht erst 2023. Doch bekommt man künftig auch serviert, was man bestellt hat? Mitte August hat Staats- und Parteichef Xi Jinping die Chinesen aufgefordert, weniger Essen wegzuschmeißen. Daraus ist in Windeseile eine politische Kampagne geworden, deren Slogan nach Oberstufen-Mathematik klingt: "n-1" lautet die neue Formel. Geht man zu zehnt in ein Restaurant, darf man nur noch neun Gerichte bestellen. In manchen Provinzen gilt gar "n-2": für zehn Gäste maximal acht Portionen. Eine Restaurantkette ging sogar soweit, dass sie am Eingang Waagen aufstellen ließ: Je nach Gewicht bekam man eine nachdrückliche Empfehlung, was man nun essen darf. Bei so vielen Veränderungen mag man fast gar nicht an den nächsten Urlaub denken.