Bei uns in Hamburg Coolness, hart erarbeitet

Ist Hamburg ein Place-to-go? Die Leute der "New York Times" meinen: Nein. Dafür aber München - einfach so.

Von Angelika Slavik

Das Jahr hat ganz schlecht begonnen, und schuld daran sind die Leute von der New York Times. Denn die veröffentlichen immer im Januar eine Liste mit Orten auf der ganzen Welt, die sie für einen Besuch empfehlen. "52 Places to Go" heißt sie. Man muss dazu sagen, dass die Leute von der New York Times offensichtlich nicht besonders gut sind bei der Sache mit der Listenerstellung. Nur so ist zu erklären, dass sie bis zum Jahr 2017 gebraucht haben, um Hamburg endlich zu einem "Place to Go" zu ernennen. Aber dann, ha! Seit zwei Jahren offiziell superhip. Das ist natürlich was.

Da schreitet man gleich mit einer ganz anderen Lässigkeit durch die Stadt. Fällt der Blick auf die Elbphilharmonie, denkt man nicht mehr an diese unangenehme Sache mit den Verzögerungen und den Millionen und dem peinlichen Wasserschaden. Man denkt auch nicht daran, wie hier die Weltpolitik während des G-20-Gipfels der Klassik gelauscht hat, während sich draußen die Stadt in ein Schlachtfeld verwandelt hat. Nein, stattdessen rezitiert man laut in den Nachthimmel: "Hamburg! A haven for architecture and design." Das kommt super.

Unglücklicherweise gibt es jetzt wieder einen neue Places-to-Go-Liste. Auf der steht Hamburg nicht, aber dafür, festhalten bitte, München. München!

Das ist natürlich empörend. Denn während Hamburg 800 Millionen Euro und zehn Jahre voller Baupeinlichkeiten investieren musste, um irgendwie die Elphi in den Hafen zu wurschteln und dann endlich ein Haven for architecture and design zu sein, schafft es München, nun ja, einfach als München. Einfach so. Keine größere Anstrengung. Keine zehn Jahre bundesweite Spöttelei über irgendein Millionengrab. Nicht mal ein richtiges Hochhaus! "Theater, Kunst, Oper. Was will man mehr?", fragen die Listen-Amis auch noch so provokant. Dann schwärmen sie von der Oper und dem Residenztheater und tausend anderen Dingen, für die sich München überhaupt nicht angestrengt hat, weil sie einfach gefühlt immer schon da sind.

Man ist jetzt natürlich deprimiert. Dann fällt einem auch noch die Sache mit dem Wetter ein. Wie die Münchner immer erzählen, es sei im Sommer wochenlang heiß, während man selbst in einem kleinen Übergangsmäntelchen durch irgendein kleines August-Tief schreitet. Man will fast schon kapitulieren, da entdeckt man in der leidigen Wo-ist-es-hip-Liste plötzlich: die Nordseeinseln. Ha! "Wild und progressiv" steht da, und das, nun ja, praktisch vor den Toren Hamburgs. Das färbt ab. Bestimmt.