Bei uns in.. Frankfurt

Soll Offenbach bald Frankfurt-Südost heißen? Dann würden mehr Leute in die Nachbarstadt ziehen, in der das Wohnen billiger ist.

Von Markus Zydra

In der Immobilienszene schätzt man Daniel Fuhrhops aparte Ideen zur Entwicklung der Städte. Der Diplom-Kaufmann betreibt den Blog "Verbietet das Bauen", veröffentlicht Bücher und hält bundesweit Vorträge. Fuhrhop meint, man könne den Wohnungsmangel in Deutschland ohne Neubauten beseitigen. Einfach, indem man Leerstand und erschlossene Bauflächen besser nutzt. "Mikroapartments" und "Wohnen für Hilfe" (Studenten wohnen umsonst und helfen dem älteren Eigentümer im Haushalt) sind da einige Stichworte.

Vor kurzem besuchte Fuhrhop Frankfurt - und machte in einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse sogleich einen Vorschlag: Man solle Offenbach am besten in Frankfurt-Südost umbenennen. Dann würden mehr Leute in die Nachbarstadt ziehen, in der das Wohnen billiger ist. Die Menschen könnten sich auf Offenbacher Boden wie großstädtische Frankfurter fühlen, und dies auch mit einem "F" auf dem Autokennzeichen stolz demonstrieren. Nun muss man wissen, dass sich Offenbacher und Frankfurter nicht immer grün sind. Die Rivalität spielt sich auf dem Fußballplatz ab, und man spürt sie zwischen den Zeilen, wenn der "kleine" aufsässige Offenbacher über den "großen" arroganten Frankfurter lästert. Dem unterstellt man schon lange, er wolle Offenbach wegbeißen und schlucken. Auch deshalb grassieren unglaubliche Geschichten wie diese: Noch bis in die 1990er Jahre brauchten Fahrgäste in der Straßenbahn von Frankfurt nach Offenbach zwei Tickets. Die beiden Städte konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Fahrschein einigen. Welche Chance hat da die Idee, Offenbach in Frankfurt-Südost zu verpacken?

Eigentlich hätte der forsche Fuhrhop mit einem Shitstorm rechnen dürfen. Doch der kam nicht. Völlige Ruhe. Womöglich liegt es daran, dass sich Offenbacher und Frankfurter mittlerweile besser verstehen als gemeinhin kolportiert wird. Vielleicht haben die Leser die Provokation aber auch richtig verstanden. "Diese Preisunterschiede bei Immobilien innerhalb von wenigen Kilometern sind doch irrational", sagt Fuhrhop, der auch schon mal dazu aufrief, das wirtschaftlich schwache Duisburg in Düsseldorf-Nord umzubenennen. Das ermunterte die Duisburger zur selbstbewussten Replik, dass Düsseldorf früher nicht viel mehr war als eine Raststation auf dem Weg von Duisburg nach Köln. "Die vermeintlich schwächeren Städte sollten selbstbewusster auftreten", meint Fuhrhop. "In Offenbach gibt es auch gute Gegenden, und in Frankfurt auch schlechte." Der Buchautor räumt ein, dass der Vorschlag, wirtschaftlich schwächere Städte in ökonomisch stärkere einzugemeinden, irrational sei. "Die Preisunterschiede auf so engem Raum sind es aber auch".