Bei uns in Amelia Vier Kugeln für ein Halleluja

Italo-Western-Kultfigur Terence Hill hat in Umbrien seine Schwäche für den zarten Schmelz von Eis entdeckt. In Amalia hat er nach 43 Jahren die Familien-Gelateria neu eröffnet. Sie soll nicht die Einzige bleiben.

Von Ulrike Sauer

Im verrücktesten Goldrausch aller Zeiten suchten die Menschen ihr Glück am Klondike River in Kanada. 120 Jahre ist das her. Terence Hill, Kultfigur unvergessener Italo-Western, fand sein Glück am Rio Grande, der sich eher kärglich durch die Felsschlucht zu Füßen von Amelia nördlich von Rom schlängelt. Vergessen Sie den müden Joe, der sich in "Vier Fäuste für ein Halleluja" mit einer ganzen Pfanne Speckbohnen den Bauch vollschlägt. Terence hat in Umbrien seine Schwäche für den zarten Schmelz von Eis entdeckt. In Amelia hat nach 43 Jahren gerade wieder die Gelateria Girotti aufgemacht. Auf der Hauptgasse, die von der antiken Stadtmauer hinauf zum Dom führt, war kein Durchkommen. Die Bürgermeisterin durchschnitt das Eröffnungsband, der Priester schwenkte das Weihrauchfass. Ein Streich-Quartett untermalte das kollektive Schlecken vor der Eisdiele.

Die Älteren erinnerten sich an die Zeiten, als Quirino Girotti mit einem Holzlöffel das Eis anrührte. Für 50 Lire gab es nach dem Katechismus eine süße Freude. In den Kisten dufteten frische Zitronen. 1974 war Schluss. Eismann Quirino ist ein Großonkel von Terence Hill gewesen, der mit bürgerlichem Namen Mario Girotti heißt und in Amelia aufgewachsen ist. Terence besann sich auf die Familientradition und ließ die Gelateria aufleben. Das Eis rührt der junge Gelataio Gabriele Ferraro, 19. Terences Lieblingssorten: Pistazie, Extrabitter-Schokolade, Zitrone und Passionsfrucht - vier Kugeln für ein Halleluja.

Am großen Tag stand der Filmheld nicht hinter der Theke. Er war für Dreharbeiten der Fernseh-Serie "Don Matteo" in Rom, in der er einen umbrischen Pfaffen spielt. An seiner Stelle reichte Enkel Will, 14, die Eiswaffeln über den Tresen. Seit Jahren kommt er mit seinem Vater Jess aus Kalifornien nach Amelia. Wie viele Auswanderer suchten sie in Italien nach ihren Wurzeln und lernten die Heimat der Girotti-Familie lieben. Jess Hill, der eine Filmfirma in Los Angeles besitzt, plaudert angeregt über ungenießbares Eis in Amerika. Auf Facebook firmiert der Laden als Official Gelateria of Terence, Jess and William Hill.

Wenn Gabriele Erfolg hat, kommt die Eroberung des weiten Westens: LA, Lommatzsch bei Dresden, woher Terence Hills Mutter stammt, Venedig, wo der blauäugige Blondschopf vor 78 Jahren geboren wurde, wären wohl die ersten Etappen. In Amelia kosten die Eisfans vorläufig ihr Privileg aus. Und schauen dabei auf Youtube die Eis-Szene aus dem Klassiker "Zwei sind nicht zu bremsen" an. Terence: "Wie ist denn das, krieg' ich auch 'n Eis?" Bud Spencer: "Was für eins?" Terence: "Immer nur Pistazie!"