Bei Uber läuft es nicht:Das Chaosprinzip

Uber produziert vor allem negative Schlagzeilen - und Verluste. Warum der Fahrdienst aus Kalifornien mehr hochkarätige Berater braucht.

Von Michael Kuntz

An Geld jedenfalls mangelt es nicht bei Uber. Der Fahrdienstanbieter aus San Francisco wird bei Finanzierungsrunden mit einem Marktwert von bald 70 Milliarden Dollar eingeschätzt. Zum Vergleich: Das liegt deutlich über der Marktkapitalisierung der Deutschen Post. Offen bleibt vorerst, ob die Investoren wie Goldman Sachs oder Google oder auch Axel Springer dabei auf satte Gewinne bei einem eventuellen Börsengang setzen. Oder ob sie auf noch ausstehende Erträge aus dem Geschäftsmodell von Uber hoffen, nämlich der Vermittlung von Fahrdiensten im Internet, am besten weltweit.

Acht Jahre nach seiner Gründung bietet der "Taxi-Schreck" mit 13 000 festangestellten Mitarbeitern seine Dienste in mehr als 70 Ländern an und stößt dabei vielerorts auf größere Widerstände als protestierende Taxifahrer. Als "ein Arschloch namens Taxi", hatte Uber-Chef Travis Kalanick die Branche provoziert, die er mit wohlkalkulierten Gesetzesverstößen aufmischen wollte. Private Fahrer ohne spezielle Lizenzen sollten Menschen mitnehmen, gegen ein günstigeres Entgelt als den Taxipreis. Es war die kalifornische Variante der Sharing Economy, an der zunächst einmal der Vermittler mit seiner Internet-Plattform verdient. Vor allem in Europa funktioniert das Prinzip Uber nicht so gut.

In Deutschland wurde der Fahrdienst verboten, und übrig blieb ein Chauffeur-Limousinen-Angebot, wie es das vielfach gibt - wenig revolutionär. In Italien ist es ähnlich, und auch Dänemark stoppte den Uber-Dienst, bei dem Privatpersonen Fahrgäste befördern. In Frankreich, Belgien, Portugal und Spanien läuft es ebenfalls schlecht für Uber.

Das konnte bisher auch ein hochkarätig besetztes Beratergremium nicht verhindern, dem neuerdings Kai Diekmann angehört. Der ehemalige Herausgeber der Bild-Zeitungsgruppe will Kalanick bei seiner Kommunikation als Ratgeber unterstützen. Was der dringend nötig hat, wie die vielen negativen Berichte über Uber zeigen: Klagen, Sexismusvorwürfe, Fahrverbote, Kalanicks Engagement als Berater von Präsident Trump - alles sorgte für wenig schmeichelhafte Schlagzeilen. Chaos überall - das neue Prinzip von Uber?

Dabei hatte Kalanick schon eine illustre Runde um sich geschart, bevor er Diekmann engagierte. Dazu gehörten der frühere amerikanische Verkehrsminister Ray LaHood, der ehemalige peruanische Regierungschef Roberto Danino und Neelie Kroos, vorher Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. Es half bisher wenig.

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge machte Uber voriges Jahr bei einem Nettoumsatz von umgerechnet 6,1 Milliarden Euro einen Verlust von 2,6 Milliarden Euro. Kalanick hat damit in einer Größenordnung Geld verbrannt, entsprechend dem Jahresumsatz des Sixt-Konzerns, dem Marktführer bei den Autovermietern in Deutschland. Sixt betreibt auch einen Chauffeur-Service, mit deutlich mehr Erfolg, als ihn Uber in Deutschland hat.

Uber-Chef Kalanick hält seine Investoren mit immer neuen Ankündigungen spektakulärer Projekte bei Laune, die allerdings erst in einigen Jahren verwirklicht werden können - vom autonom fahrenden Taxi bis hin zum fliegenden. So etwas kommt verschieden gut an: Während sich Daimler-Chef Dieter Zetsche bei einem Zukunftskongress in Berlin mit Kalanick in ein Trabi-Cabrio setzte und von Kai Diekmann chauffieren ließ, geht der BMW-Topmanager Harald Krüger deutlich auf Distanz zu Uber. In einem gerade erschienenen Interview sagt er, man habe die sinnvollen Möglichkeiten für eine gewinnbringende Zusammenarbeit ausgelotet und dabei keine gefunden.

© SZ vom 04.05.2017
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