Begrenzung hoher Managergehälter:Komplizierte Frage der Gerechtigkeit

Lesezeit: 5 min

Koalition einigt sich auf schärfere Regeln für Managergehälter

Wie lassen sich exorbitante Mangergehälter stärker begrenzen? darüber diskutieren nach dem Schweizer Bürgervotum für die Initiative "gegen die Abzockerei" auch hierzulande die Politiker.

(Foto: dpa)

Gehaltsexzesse verhindern, das ist eine Forderung, die sich auch im deutschen Wahlkampf gut macht. Doch wie könnte man Managergehälter überhaupt begrenzen? Und wem würde das etwas bringen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Nakissa Salavati und Oliver Klasen

Wie begrenzt man exorbitante Manager-Gehälter und hohe Millionen-Bonuszahlungen? Dieses gefühlte Gerechtigkeitsproblem wollen die Schweizer nun angehen. "Gegen die Abzockerei" - das ist der für das wirtschaftsfreundliche Land recht kämpferisch formulierte Name einer Volksinitiative, in der sich 68 Prozent für eine Begrenzung ausgesprochen haben. Damit setzen sie die Regierung in Bern unter Zugzwang. Politiker in Deutschland fordern jetzt auch hierzulande ähnliche Regelungen. Doch was lässt sich von dem Schweizer Votum lernen? Was sind die Vor- und Nachteile, wenn der Staat über Gehälter entscheidet? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was haben die Schweizer eigentlich beschlossen?

Auch wenn der kämpferische Name und die Reaktionen das nahelegen: Die direkte Deckelung von Managergehältern oder die Begrenzung von Bonuszahlungen haben die Schweizer im Grunde gar nicht beschlossen. Vielmehr sollen die Rechte von Aktionären gestärkt werden. Sie müssen künftig jedes Jahr über die Vergütungen von Managern und Aufsichtsräten entscheiden. Außerdem soll der Verwaltungsrat jedes Jahr neu gewählt werden. Der ist in der Schweiz im Gegensatz zum deutschen Aufsichtsrat mehr als ein reines Kontrollorgan. Er übernimmt auch die "Oberleitung" des Unternehmens, wie es im Schweizer Gesetz heißt.

Gänzlich verboten werden Begrüßungsgelder und Austrittsentschädigungen für Top-Manager. Auch üppigste Abfindungen, wie das erst geplante und dann unter heftigen Protesten zurückgenommene 60-Millionen-Euro-Abschiedsgeschenk für den scheidenden Pharmakonzern-Verwaltungsratspräsidenten Daniel Vasella soll es in Zukunft nicht mehr geben.

Deshalb kommt die Schweizer Entscheidung nach Ansicht von Beobachtern einer Revolution gleich. Die Bezüge von Firmenchefs werden künftig strengeren Auflagen und Kontrollen unterliegen. Das Signal, das von der Initiative ausgeht, lautet: Spitzenmanager und Aufsichtsräte werden sich künftig mit weniger Geld begnügen müssen.

Wie sieht es in der deutschen Politik aus?

Deutsche Politiker reagieren auf das Ergebnis aus der Schweiz. Quer über Parteigrenzen hinweg sprechen sie sich dafür aus, Top-Gehälter auch hierzulande zu begrenzen. Selbst die FDP will sich per Parteitagsbeschluss für die Stärkung der Aktionäre gegen Vorstände und Aufseher einsetzen. Im Gegensatz zu den Schweizern könnte das deutsche Volk eine solche Initiative nicht durch eine Volksabstimmung einbringen. In Deutschland haben ausschließlich der Bundestag, die Regierung oder der Bundesrat das Recht, einen Gesetzentwurf einzubringen. Anschließend muss er im Bundestag - und je nachdem auch im Bundesrat - eine Mehrheit finden. Volksbegehren gibt es in Deutschland praktisch nur auf Länderbene und nicht für eine nationale Regelung.

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