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Beginn des Sommerschlussverkaufs:Die Macht des Schnäppchens

Finale für Schnäppchenjäger: Bereits seit Monaten locken Händler mit satten Rabatten, an diesem Montag haben sie schließlich den Sommerschlussverkauf eröffnet. Allerdings sind die Schnäppchen nicht immer ein Vorteil für die Verbraucher.

Der Sommerschlussverkauf hat an diesem Montag begonnen: 30, 50 oder bis zu 70 Prozent, wer in diesen Tagen zum Einkaufen geht, hat keine Wahl - er landet im Rabatthagel.

Einzelhandel in Hessen mit Sommerschlussverkauf zufrieden

Schaufensterpuppen in einem Kaufhaus.

(Foto: ddp)

Wann der Schlussverkauf genau beginnt und endet, ist aber schwierig zu sagen - auch weil vor zehn Jahren in Deutschland das Rabattgesetz gefallen ist und seitdem neue Regeln beim Einkauf gelten. Demnach gibt es den Sommerschlussverkauf offiziell nicht mehr, Rabatte sind nicht mehr begrenzt und Feilschen ist erlaubt.

"Die Nachlässe haben den Sommerschlussverkauf eingeleitet, der Ende Juli sein Finale hat", sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland. In vielen Bundesländern richteten sich die Preisaktionen nach dem Ferienbeginn.

Aber sind die Rabatte überhaupt zeitlich beschränkt? "Die Rabattaktionen beginnen immer früher. Man kann es auch anders sagen: Sie hören gar nicht mehr auf", sagt der Deutschland-Chef der Werbeagenturgruppe Grey, Uli Veigel. "Wir haben ganz eindeutig eine Rabatt-Inflation."

Das Schnäppchen-Portal Groupon ist für den Werbeexperten ein Paradebeispiel dafür. Auch Rabatte gebe es in immer mehr Formen: Kunden führen Rabattmarkenhefte, sammeln Bonuspunkte oder kassieren Prämien, wenn sie Freunden ein Produkt weiterempfehlen.

Der Handelsexperte Thomas Harms von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat eine Erklärung für die Preisoffensive der Händler: Zwei Termine für Schlussverkäufe reichten heute einfach nicht mehr aus, weil die Textilwirtschaft sechs, acht oder mehr Kollektionen im Jahr herausgebe. Trotzdem seien Sommer- und Winterschlussverkauf weiter wichtig, um die Lager zu räumen.

"Rabatt ist ein zweischneidiges Schwert"

Die Rabatte sollen jedenfalls schon vor der gewohnten Zeit des Sommerschlussverkaufs Lust bei den Käufern wecken. Aber worin liegt der Reiz der Schnäppchen? Der Konsumpsychologe Stephan Grünewald vom Kölner Institut Rheingold sagt: "Kunden begrüßen es, wenn ihnen die Händler entgegenkommen, aber sie wollen nicht selber feilschen wie auf dem Basar."

Fallende Preise haben allerdings nicht nur Vorteile: "Rabatt ist für die Verbraucher ein zweischneidiges Schwert", meint Grünewald. Die Kunden wollten nämlich verstehen, warum die Preise fallen - sonst seien ihnen stabile Preise lieber. "Der Deutsche möchte etwas Genormtes haben, weil er unterschwellig Angst davor hat, den Kürzeren zu ziehen."

Allerdings ignoriere der Handel diesen Wunsch, auch zum Nachteil der Verbraucher: Durch die vielen Sonderangebote kauften Kunden oft Waren, die sie eigentlich gar nicht wollten. "Sonderangebote zerschießen die Einkaufsroutine. Die ständige Sorge, bin ich übervorteilt worden, bedeutet seelischen Stress", so Grünewald.

Verbraucherschützer raten zu einem kühlen Kopf. Wenn sich Kunden trauen würden, könnten sie meist selbst einen Rabatt heraus handeln, sagt Handelsexperte Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. Auch vor dem Fall des Rabattgesetzes seien Händler schon zu höheren Rabatten bereit gewesen. Damals hätten sie aber lieber dezent darüber gesprochen.

Handeln im Geschäft

"Wir sind doch nicht auf dem Basar!"

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