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Bedingungsloses Grundeinkommen:Wer geht noch arbeiten, wenn er nicht muss?

Wer geht noch arbeiten, wenn er nicht muss?

"Die Gesellschaft kann zunächst in zwei Gruppen gespalten werden. Es wird interessierte und ambitionierte Menschen geben, die vielleicht schon jetzt ihren Beruf als Berufung verstehen und sich eventuell noch engagierter zum Wohle der Gesellschaft einsetzen. Und dann wird es die anderen geben, die erst mal nichts tun werden und sich in ihrer neugewonnen Freizeit selbst entdecken wollen. Aber der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen. Mittel- oder langfristig werden auch sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. In der Anfangsphase des Grundeinkommens wird es vermutlich wenig Neuentwicklungen geben. Doch ich denke, nach kurzer Zeit werden die Menschen merken, welche Wünsche sie sich wieder erfüllen, welche Produkte sie haben wollen, und dazu mit neuer Motivation beitragen."

Manuel Tusch ist Psychologe und Coach in Köln

Würde ein Grundeinkommen Deutschland finanziell ruinieren?

"Ein Grundeinkommen in Höhe von 450 bis 500 €, das den Regelsatz des Arbeitslosengeld II ersetzen würde, wäre finanzierbar ohne dass der derzeitige Spitzensteuersatz steigen müsste. Grundsätzlich ist sogar ein Grundeinkommen von 800 bis 1000 € kostenneutral finanzierbar. Voraussetzung dafür ist eine umfassende Steuerreform, bei der das Grundeinkommen alle Freibeträge ersetzt. Der Sachverständigenrat für Wirtschaft hat meine Berechnungen, die ich 2007 im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt habe, grundsätzlich bestätigt. In dem Gutachten 2007 wurden zwei Varianten eines finanzierbaren Grundeinkommens in Höhe von 800 € durchgerechnet, die von den Beschäftigungswirkungen weitgehend neutral sind, aber die Armut in Deutschland erheblich reduzieren würden."

Wolfgang Strengmann-Kuhn ist Wirtschaftswissenschaftler und sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.

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