Beate Uhse:Der Steuerberater und der Erotik-Laden

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Beate Uhse

Die Kunstpilotin Beate Uhse eröffnete 1962 in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

(Foto: Sven Simon)

Richard Orthmann hat dazu ein Buch geschrieben mit dem sperrig-ironischen Titel "62 Tage im 5 Sterne Dritte Welt Hotel mit Mauerblick". 62 Tage: So lange saß er in Untersuchungshaft. Das Buch handelt von den Folgen eines fragwürdigen Strafverfahrens und einem Gericht, das die Akten jahrelang liegen lässt, statt die Vorwürfe zügig und sorgfältig aufzuklären. Orthmann hat das Buch im Eigenverlag veröffentlicht. 10 000 Schweizer Franken hat ihn das gekostet, aber für einen Mann mit mehreren Hundert Millionen Euro Vermögen ist das verkraftbar. "Es ist meine Art der Verarbeitung", sagt er.

In seinem ersten Berufsleben als Steuerberater hat Orthmann eine große Kanzlei aufgebaut und es zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Flensburg ist überschaubar; irgendwann zählt auch die Erotikhändlerin Beate Uhse zu seinen Klienten. Im Lauf der Jahre betätigt sich Orthmann immer mehr als Investor. Auch bei der Beate Uhse AG steigt er groß ein und übernimmt 2001 den Aufsichtsratsvorsitz.

Schon im Sommer 2005 fiel der Aktienkurs

In dem Jahr stirbt auch die Firmengründerin. Orthmann versteht sich gut mit Ulrich Rotermund, ihrem zweiten, 1972 geborenen Sohn, der aus Beates Uhses zweiter Ehe mit dem Kaufmann Ernst-Walter Rotermund stammt. Orthmann und der Uhse-Sohn machen auch außerhalb der Sexfirma Geschäfte miteinander. In der Beate Uhse AG läuft es unter ihrer Regie anfangs gut. Aber es ist schon absehbar, dass das Geschäftsmodell zu bröckeln beginnt, je mehr Internetportale verschenken, was Beate Uhse gewinnbringend verkauft: Pornofilme. Auch der Handel mit Sexspielzeug verlagert sich ins Web. Anleger erkennen das und stoßen ihre Aktien ab. Im Sommer 2005 fällt der Kurs auf 7,20 Euro.

Zu diesem Zeitpunkt haben sich Orthmann und Rotermund bereits über die richtige Strategie für Beate Uhse verkracht. Orthmann verlässt im März den Aufsichtsrat und verkauft seine Aktien. Zuvor bastelt der erfahrene Steuerberater noch ein Hilfskonstrukt für die Firma: Drei Beteiligungsgesellschaften mit den hübschen Namen Mojacar, Indalo und Velez werden gegründet. Sie dienen nur einem Zweck, nämlich im großen Stil Beate-Uhse-Aktien zu kaufen und so den Kurs zu stützen.

Der Rettungsplan scheiterte

Die Staatsanwaltschaft geht später dem Verdacht der Kursmanipulation nach. Als noch schlimmer stuft sie ein, dass das Kapital für den Aktienkauf hauptsächlich von der Sparkasse Flensburg stammt, sie gibt dafür Millionenkredite. Mit der Sparkasse wickeln Rotermund und Orthmann auch anderweitige Großgeschäfte ab. Als Sicherheiten haben sie der Bank die mit dem Geld aufgekauften Beate-Uhse-Aktien verpfändet.

Aber der Plan geht nicht auf, der Aktienkurs sackt weiter ab, und daraus erwächst der Sparkasse Flensburg ein Problem: Je weniger die Aktien wert sind, die sie als Pfand für die Kredite bekommen hat, desto größer werden die Löcher in ihren Büchern. Die Kredite werden zum existenzbedrohenden Risiko. Im Jahr 2008 schluckt schließlich die Nord-Ostsee Sparkasse, die Nospa, in einer Notfusion die Sparkasse Flensburg. Zwei Jahre später wackelt deswegen auch die Nospa und braucht Medien zufolge 120 Millionen Euro als Stütze vom Deutschen Sparkassenverbund.

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