Der Münchner Agrarkonzern Baywa hat nach Erkenntnissen der Finanzaufsicht Bafin in seiner Bilanz für 2023 wesentliche Kreditrisiken unter den Tisch fallen lassen. Der Lagebericht sei lücken- und damit fehlerhaft, rügte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Zuletzt wurde bekannt, dass auch die Münchner Staatsanwaltschaft im Fall Baywa ermittelt. Auch hier geht es um die Frage, ob die Situation des Konzerns in der vergangenen Bilanz und im Konzernlagebericht richtig dargestellt worden sei.
Bei der Bafin geht es konkret vor allem um einen zwei Milliarden Euro schweren Konsortialkredit, den die Baywa von mehreren Banken erhalten und bis auf 250 Millionen Euro auch in Anspruch genommen hatte. Der Kredit war an Bedingungen wie eine Mindest-Eigenkapitalquote geknüpft. Die aber konnte die Baywa von Mitte 2023 an nicht mehr einhalten. Die Banken hatten zwar nachträglich darauf verzichtet, den Kredit bis Ende 2023 deswegen zu kündigen. Doch schon Ende März 2024 – also kurz nach Feststellung des Jahresabschlusses für 2023 – hätten sie wieder das Recht dazu gehabt.
Die Aktionäre der Baywa erfuhren von den Vorgängen im Lagebericht aber nichts – „entgegen den handelsrechtlichen Anforderungen“, wie die Prüfer der Bafin monierten. Auch über das Risiko, dass die Baywa kurzfristige Schuldverschreibungen über 632 Millionen Euro und eine Anleihe über 500 Millionen Euro möglicherweise nicht würde tilgen können, habe der Vorstand die Aktionäre nicht aufgeklärt, rügte die Bafin.
Der Konzern hatte Mitte Juli 2024 unerwartet über schwere Liquiditätsnöte berichtet und monatelang ums Überleben gekämpft. Dabei hatte er kurz zuvor noch eine Anleihe getilgt, obwohl er im April 2024 mit der Begebung einer neuen Anleihe gescheitert war. Nur Eigen- und Fremdkapitalspritzen der Großaktionäre und der Banken retteten die Baywa vor der Pleite.
