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Dresscode im Büro:Einmal Sneaker für die Kollegen, bitte

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Anzug und Krawatte? Sind schon lange out. Ausgerechnet eine Bank schenkt ihren Mitarbeitenden nun sogar eigene Turnschuhe. Damit fällt die letzte Bastion des seriösen Kleidungsstils.

Von Harald Freiberger

Im Aufzug eines süddeutschen Unternehmens sagte der oberste Chef mal zu einem seiner jungen Angestellten: "Wir zahlen Ihnen nicht so viel Geld, damit Sie sich dafür weiße Turnschuhe kaufen." Das ist nun auch schon wieder zehn, zwölf Jahre her, was zeigt, wie nachhaltig der Trend zu hellem Schuhwerk am Arbeitsplatz ist. Die frühe Skepsis von Vorgesetzten ist seitdem allgemeiner Akzeptanz gewichen. Angefangen hat damit wohl der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche, der irgendwann dazu überging, Jeans und weiße Sneaker zu tragen. In Anzug und Halbschuhe schlüpfte er eigentlich nur noch, wenn er einen Termin mit dem Chef seiner Hausbank hatte.

Die Bank galt lange als letzte Bastion eines seriösen Kleidungsstils. Doch auch diese ist längst gefallen. Schon bevor Covid ausbrach, gab es erste Berichte über Sparkassen, die die Krawattenpflicht für männliche Mitarbeiter abschafften. Die Pandemie und das Home-Office haben den Trend zu lässiger und nachlässiger Kleidung verstärkt. Und so dominiert auch in den Büros heute der weiße Sneaker, das Sinnbild der Moderne. Wer noch rahmengenähte Budapester trägt, wirkt irgendwie aus der Zeit gefallen.

Das neue Motto in vielen Firmen: Komm, wie du bist

Unternehmen haben nicht nur nichts dagegen, wenn ihre Mitarbeiterenden in weißen Turnschuhen zur Arbeit kommen, sie fördern es sogar. Selbst solche aus so konservativen Branchen. So bietet die Bayerische Landesbank ihren Angestellten seit Dezember an, kostenlos spezielle "Corporate-Sneaker" zu beziehen. Es handelt sich um weiße Adidas-Schuhe, auf die an der Seite klein das Bayern-LB-Logo aufgedruckt ist. Ähnliche Aktionen gab es auch bei der Deutschen Bank und bei der Ipex-Bank, der Auslandssparte der staatlichen Förderbank KfW.

Die Bayern-LB kam vor einem halben Jahr auf die Idee, als sie das "Transformationsprogramm Fokus 2024" abschloss. Es handelte sich um ein 2020 gestartetes Sparprogramm, mit dem auch 900 Stellen abgebaut wurden, meist sozialverträglich über Vorruhestand. Die Vorstände feierten das - und die zuletzt guten Zahlen - mit einem Fest im Showpalast München, auf dem sie die Corporate-Sneakers schon trugen und verkündeten, dass jeder Mitarbeitende sie bestellen könne.

2400 der noch 2650 Beschäftigten haben das inzwischen getan, "und die Schuhe werden in der Arbeit auch fleißig getragen", sagt ein Unternehmenssprecher. Bei der Bayern-LB gelte schon seit drei Jahren das Prinzip "come as you are" - komm, wie du bist. Wer einen Termin mit einem traditionellen Kunden habe, könne sich natürlich weiter konservativ kleiden. Aber sonst: "Jeans, Chino, weißes Oberhemd, Pullunder, Sneakers - so läuft man heutzutage rum", sagt der Sprecher. Vom Azubi bis zum Vorstandschef duzen sich auch alle. Der Sprecher ist überzeugt, dass dies und der neue Dresscode "die Kultur befördert und Hierarchien abbaut".

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