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BayernLB:Ohne Blickkontakt

Der Chef der BayernLB ist genervt von Telefonkonferenzen. Wie alle Unternehmen leidet auch sein Institut unter der jetzigen Krise. Vieles ist noch unklar, eines steht schon fest: Es wird weiteren Jobabbau in noch unbekannter Höhe geben.

Am Ende wurde Stephan Winkelmeier, der Chef der Bayerischen Landesbank, persönlich: "Ich habe die Telefonkonferenzen langsam satt", sagte er, als er am Freitag die Bilanz für 2019 vorstellte. Er freue sich schon darauf, Kollegen und Geschäftspartner wieder zu treffen, vieles sei einfacher, wenn man sich in die Augen blicke. Die BayernLB sei auch in jenen Bereichen besonders erfolgreich, in denen sie "auf Augenhöhe mit den Kunden ist". In Telefonkonferenzen aber ist es schwierig mit der Augenhöhe.

Nur kurz ging es um das abgelaufene Geschäftsjahr. Winkelmeier sprach von einem "zufriedenstellenden Ergebnis" bei widrigen Bedingungen. Der Nettogewinn fiel um 44 Prozent auf 463 Millionen Euro. Die Gründe waren zum einen günstigere Sondereffekte im Jahr davor, zum anderen gestiegene Verwaltungskosten. Sie sind die Folge des Umbaus, den sich die BayernLB verordnet hat: Sie investiert in ihre Erfolgspfeiler, die Immobilienfinanzierung und die Onlinebanking-Tochter DKB. Besonders das Investmentbanking wird dagegen zurückgefahren. Schon 2019 kündigte Winkelmeier an, dort 400 Stellen zu streichen; der Abbau von 150 Jobs ist bisher umgesetzt.

Im Mittelpunkt aber stand das alles dominierende Ereignis des neuen Jahres, die Corona-Krise. Winkelmeier ist sich sicher, dass sie das Geschäft seiner Bank massiv beeinträchtigen wird, ohne dass er eine Prognose abgeben wollte. Eines ist schon klar: Es wird zusätzlichen Stellenabbau geben, beziffern kann ihn der Chef noch nicht. Zumindest soll es ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen.

Eine andere Folge von Corona: Die BayernLB hat entschieden, wie von der Finanzaufsicht empfohlen, die Dividende ausfallen zu lassen, um das Kapital für die absehbar schwere Zeit zu stärken. Eigentlich hatte sie 150 Millionen Euro an die Eigentümer ausschütten wollen; ein Viertel gehört Bayerns Sparkassen, drei Viertel dem Freistaat Bayern.

Sicher ist auch, dass es in einem Bereich keinen Stellenabbau geben wird: Die Firmenkunden-Berater werden derzeit überrannt von Kredit- und Coronahilfe-Anfragen. Winkelmeier lehnt es übrigens ab, die staatliche Haftung von 80 bis 90 auf 100 Prozent auszuweiten, wie manch andere Banker es fordern: "Ein Anteil des Risikos sollte bei den Banken bleiben, schon allein wegen der moralischen Verpflichtung."

© SZ vom 04.04.2020

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