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Bayer und Monsanto:Rekord-Übernahme: Bayer kauft Monsanto für 66 Milliarden Dollar

Weather-Predicting Tech Behind the $62 Billion Monsanto Co. Bid

Der US-Konzern Monsanto stellt Saatgut und Herbizide her.

(Foto: Luke MacGregor/Bloomberg)
  • Das gab es in der deutschen Firmengeschichte noch nie: Bayer kauft Monsanto für eine Rekordsumme. Der Preis liegt bei 66 Milliarden Dollar.
  • Eine offizielle Bestätigung wird für den Nachmittag erwartet, vor Eröffnung der New Yorker Börse. Außerdem müssen noch Aufsichtsbehörden zustimmen.

Der Chemiekonzern Bayer übernimmt den US-Saatguthersteller Monsanto, teilt der Konzern mit. Das deutsche Unternehmen zahlt 128 Dollar je Aktie, damit wird Monsanto mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Bayer wird durch den Zukauf zum weltgrößten Anbieter von Agrarchemie.

Der Deal ist ein Rekord. Er ist die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern bisher, hat Reuters ausgerechnet. Umgerechnet geht es um rund 58,8 Milliarden Euro. Außerdem ist er der weltweit zweitgrößte Firmenkauf jemals, der in Bargeld bezahlt werden soll, zeigen Daten der Finanzagentur Bloomberg. Nur bei der Fusion der Bierkonzerne AB Inbev und SAB Miller wird noch mehr Bargeld gezahlt, 123 Milliarden Dollar.

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Noch gibt es einige Hürden, bevor der Deal wirklich vollzogen werden kann. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, die Übernahme genau zu prüfen. Auch andere Aufsichtsbehörden müssen den Deal genehmigen. Finanziert wird die Übernahme auch über Kredite. Bayer bekommt eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden Dollar von verschiedenen Banken. Die Deutschen garantieren den Amerikanern zudem, im Notfall weitere zwei Milliarden Dollar zu zahlen, wenn die Übernahme noch an den Kartellbehörden scheitert.

Bayer hatte bereits vor vier Monaten bekanntgegeben, den Saatguthersteller übernehmen zu wollen. Doch erst einmal wurde nichts aus dem Deal. Monsanto lehnte mehrere Angebote von Bayer ab, bei denen weniger Geld geboten wurde. Die 66 Milliarden Dollar waren nun ausreichend für eine Einigung. Die Monsanto-Aktionäre bekommen nun einen deutlichen Aufschlag zum Kurs im Mai, als Bayer sein erstes Angebot vorgelegt hat: Das Plus beträgt 44 Prozent.

Der Leverkusener Konzern übernimmt ein umstrittenes Unternehmen. Unter Kapitalismuskritikern gilt Monsanto als das Symbol für alles, was aus ihrer Sicht schiefläuft im 21. Jahrhundert: genmanipuliertes Essen, Gifteinsatz in der Landwirtschaft, Patente auf Naturprodukte, Gewinnstreben vor Umweltschutz. In Umfragen bezeichnen Menschen Monsanto regelmäßig als einen der meistgefürchteten Konzerne. Der Konzern vertreibt auch den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat.

Der Markt für Agrarchemie ordnet sich gerade neu

Bayer verspricht sich viel von der Übernahme. Denn die Belieferung der Landwirtschaft mit Pflanzenschutzmitteln ist ein lukratives Geschäft: Die UN rechnen bis 2050 mit einem Anstieg der Weltbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen. Eine höhere Nachfrage nach Lebensmitteln dürfte auch bei den Anbietern von Pflanzenschutzmitteln die Umsätze steigen lassen. Für 2025 rechnet Bayer mit einem Markt für Pflanzenschutz und Saatgut von 120 Milliarden Euro, 35 Milliarden Euro mehr als 2015. Außerdem verfügen die Konzerne zusammen über ein Budget für Forschung und Entwicklung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro, betont Bayer.

Das deutsche Traditionsunternehmen will mit der Übernahme von Monsanto zudem verhindern, von Konkurrenten aus der Branche überholt zu werden. Der Markt für Agrarchemie ordnet sich gerade neu. Die amerikanischen Konzerne Dupont und Dow-Chemical wollen fusionieren, Chem China bietet für die Schweizer Firma Syngenta. Am Ende könnten nur noch drei Anbieter auf dem Markt übrig bleiben, sagen Experten.

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