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Bayer:Übernahmen und Nebenwirkungen

Essure Spirale

Eine Metall-Spirale in den Eileitern soll dazu führen, dass das Gewebe vernarbt und Sperma blockiert wird.

(Foto: Matej Povše/Oštro)

Bayer hat Ärger wegen der Verhütungsspirale Essure. Tausende Frauen klagen.

Von Elisabeth Dostert

Dieses Mal geht es nicht um den Unkrautvernichter Glyphosat und Tausende von Klagen, die sich der Dax-Konzern Bayer mit der Übernahme von Monsanto eingehandelt hat. Ärger hat sich Agro- und Chemiekonzern auch 2013 mit dem Kauf der US-Firma Conceptus eingehandelt, Hersteller der umstrittenen Verhütungsspirale Essure. Die US-Arzneimittelbehörde FDA werfe Bayer vor, ihr Beschwerden von Patientinnen über das Implantat nicht wie vorgeschrieben gemeldet zu haben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine in Kalifornien eingereichte Klage, in der mehrere Tausend Fälle gebündelt sind. Bayer sei seinen Meldepflichten nicht nachgekommen, weshalb die FDA nicht habe wissen können, dass die Warnhinweise für Essure aktualisiert werden müssen, zitiert Bloomberg den Anwalt Fidelma Fitzpatrick aus den vertraulichen Dokumenten.

Allein in den USA wurden Bayer bis zum 6. Februar etwa 33 100 Klagen wegen Essure zugestellt, geht aus dem Geschäftsbericht 2019 hervor. Die Klägerinnen schreiben dem Implantat eine Vielzahl Beschwerden zu, wie Schmerzen, Blutungen und Depressionen. Das berichteten auch Frauen der Süddeutschen Zeitung 2018 im Rahmen des Rechercheprojekts Implant Files. Bayer weist die Vorwürfe der Klägerinnen zurück. Man habe 2018 Essure "freiwillig" vom Markt genommen. "Das Nutzen-Risiko-Profil des Produkts ist weiter positiv", so ein Sprecher. Dieses sei auch nie von der FDA in Frage gestellt werden. Bayer werde sich weiter gegen Klagen verteidigen. Lange Zeit wurde die Spirale als im Vergleich zu operativen Eingriffen unkomplizierte Alternative beworben, eine Schwangerschaft zu verhindern. Seit Anfang November 2002, als Essure in den USA zugelassen wurde, bis Ende Dezember 2019 sind bei der FDA fast 48 000 Meldungen eingegangen, die meisten von 2013 bis 2015. Beginnend 2016 seien die meisten Berichte über Bayer übermittelt worden.

Es ist nicht die erste schlechte Nachricht für Bayer in dieser Woche. Am Dienstag äußerte ein US-Bezirksrichter Bedenken an Teilen des erst vor rund zwei Wochen in den USA geschlossenen Glyphosat-Vergleichs. In Großbritannien veröffentlichte eine Expertenkommission ihren Bericht über Medizinprodukte und die Zulassung. Ein Kapitel widmet sich Schwangerschaftstest, darunter das bis in die Siebzigerjahre vermarktete Produkt Primodos von Schering, die Firma wurde 2006 übernommen. Familien machen das Präparat für Fehlgeburten und Missbildungen verantwortlich. Bayer hat eine kausalen Zusammenhang mit der Einnahme von Primodos stets zurückgewiesen.

Die in dem Bericht vorgeschlagenen freiwilligen Ausgleichzahlungen "kommen daher für Bayer nicht in Betracht", so der Bayer-Sprecher.

© SZ vom 11.07.2020

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