Saatguthersteller:Bayer soll Interesse an Kauf von Monsanto haben

Baumann, designated CEO of German pharmaceutical and chemical maker Bayer AG poses at the annual general meeting in Cologne

"Ich wüsste nicht, worüber wir mit Monsanto sprechen sollten", sagte Bayer-Vorstandschef Werner Baumann noch Mitte April.

(Foto: Reuters)
  • Gerüchten zufolge soll der Bayer-Konzern erwägen, den amerikanischen Saatkonzern Monsanto zu kaufen.
  • Dieser steht momentan vor allem mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat in der Kritik.
  • Noch vor zwei Wochen sagte Bayer-Vorstandschef Baumann, er wisse nicht, "worüber wir mit Monsanto sprechen sollten".

Von Elisabeth Dostert und Varinia Bernau

Es wäre für Werner Baumann ein ganz großes Ding, nach nicht mal zwei Wochen auf dem neuen Posten als Vorstandschef: Bayer kauft Monsanto, meldete die Agentur Bloomberg am Donnerstag. Der Aktienkurs des Umworbenen legte daraufhin kräftig zu, der des Bieters sank. Kommentieren will keiner der Konzerne die Gerüchte.

Bayer ist an der Börse derzeit etwa 80 Milliarden Euro wert, Monsanto umgerechnet 35 Milliarden Euro. Bayer setzte im vergangenen Jahr 46,3 Milliarden Euro um und erwirtschaftete ein operatives Ergebnis (Ebit) von 6,3 Milliarden Euro. Erst Anfang des Jahres wurde Bayer neu geordnet in drei Bereiche: Pharma; Consumer Care, wozu Produkte wie Aspirin oder Bepanthen zählen, sowie Crop Science, also das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln, Saatgut und Produkten zur Tiergesundheit. Rechtlich selbständig als Covestro AG wird die seit Herbst vergangenen Jahres börsennotierte Kunststoffsparte geführt.

Beide Firmen stellen sich als Wohltäter der Menschheit dar

In ihren Selbstdarstellungen als Wohltäter der Menschheit sind sich Monsanto und Bayer ziemlich nahe. "Die älter werdende und wachsende Weltbevölkerung benötigt neue und bessere Medikamente sowie eine ausreichende Versorgung mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln", heißt es bei Bayer. Und Monsanto will mit seinen "nachhaltigen Lösungen", zu denen auch Herbizide mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat gehören, dazu beitragen, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Der US-Konzern setzte im vergangenen Jahr etwa 15 Milliarden Dollar um, das operative Ergebnis lag bei 3,5 Milliarden Dollar. Das Bayer-Segment Crop Science, das mit Monsanto konkurriert, ist mit 10,4 Milliarden Euro Umsatz deutlich kleiner. Monsanto sucht seit längerem Anschluss. Beim Schweizer Konzern Syngenta waren die Amerikaner allerdings abgeblitzt. Nun soll Syngenta für 43 Milliarden Dollar bei Chinas Staatskonzern Chemchina landen.

Angesprochen auf mögliche Gespräche mit Monsanto sagte Baumann Mitte April noch: "Ich wüsste nicht, worüber wir mit Monsanto sprechen sollten." Als er 2010 den Posten des Finanzchefs übernahm, besuchte er viele seiner Branchenkollegen - auch den Finanzchef von Monsanto. Konzernchef Hugh Grant habe kurz seinen Kopf zur Tür reingestreckt. "Das war mein erster und einziger Kontakt zu Monsanto", sagte Baumann.

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