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Glyphosat-Prozesse:Wegen dieses Mannes wächst der Druck auf Bayer

Kenneth Feinberg, special master of executive compensation in the Troubled Asset Relief Program at the Treasury, speaks in Washington

Kenneth Feinberg: "Hersteller in die Verantwortung zu nehmen ist sehr schwer. "

(Foto: REUTERS)

Immer mehr Menschen klagen gegen Bayer. Nun soll der bekannte US-Anwalt Kenneth Feinberg einen Vergleich aushandeln.

Kenneth Feinberg kommt meist dann ins Spiel, wenn es um Katastrophen, Leid und sehr viel Geld geht. Er gilt als Vermittler mit Fingerspitzengefühl, integer und über jeden Zweifel erhaben. Alles Eigenschaften, die für seine speziellen Aufträge notwendig sind. Denn der US-Anwalt handelt im Auftrag von Unternehmen Vergleiche aus, er verwaltet für Regierungen Entschädigungsfonds, etwa für die Opfer der Anschläge vom 11. September oder der von BP verursachten Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko. Volkswagen nahm seine Dienste in der Diesel-Affäre in Anspruch.

Nun soll Feinberg helfen, die Glyphosat-Prozessflut gegen Bayer in den USA einzudämmen. Das hat Vince Chhabria angeordnet, einer der maßgeblichen Richter in diesen Verfahren. Der deutsche Konzern und Anwälte der Kläger sollen sich in den nächsten zwei Wochen mit Feinberg treffen, um die Chancen für einen Vergleich auszuloten. Bei Bayer hieß es, man werde selbstverständlich dem Beschluss des Gerichts hinsichtlich der Mediation Folge leisten. Ziel sei es jedoch nach wie vor, die Verfahren weiter zu führen, um zu belegen, dass der Unkrautvernichter unbedenklich sei. Klar ist aber auch, dass mit Feinberg als Vermittler der Druck auf den deutschen Konzern wächst, in einen Vergleich einzuwilligen.

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Was den inzwischen 73-Jährigen auszeichnet, ist, dass es ihm immer wieder gelingt, Kompromisse zu erzielen, wo andere scheitern. Das mag auch an seiner unprätentiösen Art liegen, die ihn von den meisten Vertretern seiner Zunft abhebt. Feinberg pflegt das Understatement. Seine Anzüge wirken immer ein bisschen abgewetzt, die Schuhe ausgetreten, mit Krawatte sieht man ihn nur selten.

Rastlos reist der Anwalt durch die Welt, auch um sein Tun zu erklären. Wie vor ein paar Jahren an der Evangelischen Akademie in Tutzing, wo er als Anwalt von US-Veteranen aus dem Vietnamkrieg die Fallstricke von Schadenersatzklagen erklärte. Viele Soldaten leiden unter den Spätfolgen des Einsatzes von Agent Orange, eines giftigen Entlaubungsmittels, das die USA in Vietnam einsetzten. Für die meisten ist es dennoch fast unmöglich, Agent Orange als Krankheitsauslöser nachzuweisen. Wie hier, geht es in vielen von Feinbergs Fällen um die Frage, wer zahlen muss, wenn Menschen wegen hoher Belastungen krank werden. "Hersteller in die Verantwortung zu nehmen, ist sehr schwer", stellt er fest.

Ein Satz, der wohl auch für den Glyphosat-Fall gilt. Die Herausforderung ist groß. Mittlerweile liegen in den USA 13 400 Klagen wegen des glyphosathaltigen Produkts Roundup vor, das Monsanto entwickelt hat. Ein gewaltiges Problem, das mit der Übernahme des US-Konzerns nun Bayer lösen muss. Viele Kläger glauben, dass Roundup für Krebserkrankungen verantwortlich ist. Einige von ihnen bekamen bereits hohen Schadenersatz zugesprochen, ein Ehepaar zuletzt zwei Milliarden Dollar.

Feinberg hat reichlich Erfahrung mit solchen Fällen. Berührungsängste scheint er nicht zu kennen, egal, ob es nun um Versammlungen mit Opfern und deren Hinterbliebenen, Fachveranstaltungen oder Diskussionen geht. Dass er es nicht jedem recht machen kann, weiß er. Schließlich ist er Herr über Milliarden und muss immer wieder darüber entscheiden, ob und wie viel ein Menschenleben wert ist, wie im Fall der Anschläge vom 11. September. Wenn etwa ein Banker auf dem Gehweg stürze, müsse der Verursacher mehr zahlen als bei einem Kellner, so seien eben die Gesetze, stellt der Jurist nüchtern fest.

Seine Kritiker werfen ihm deshalb immer wieder vor, Gott zu spielen. Feinberg hat gelernt, damit umzugehen. Bei dem, was er tue, könne er nicht nur Dankbarkeit und Lob erwarten. "Du erwartest die Kritik. Es ist nichts Persönliches. Es ist die menschliche Natur."

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