Seit fast zwei Jahren beharken sie sich juristisch, nun könnte sich der Bayer-Konzern mit Zehntausenden Klägern in den USA einigen. Sie machen Unkrautbekämpfungsmittel der Bayer-Tochter Monsanto mit dem Wirkstoff Glyphosat für Krebserkrankungen verantwortlich. Man habe in Mediationsgesprächen "Fortschritte erzielt", teilt der Leverkusener Konzern mit. "Aber dieser Prozess bleibt auch weiterhin vertraulich." Daher wolle Bayer weder über Ergebnisse noch den Zeitpunkt eines Vergleichs spekulieren.
Zuvor berichtete die Agentur Bloomberg, dass Bayer mündliche Absprachen getroffen habe, durch die ein wesentlicher Teil der Glyphosat-Klagen beigelegt würde. Demnach sollen die Kläger Zahlungen zwischen einigen Tausend und einigen Millionen US-Dollar erhalten. Im Gegenzug sollen sich die Kanzleien dazu verpflichten, nicht um weitere Glyphosat-Kläger zu werben. Bayer solle den Unkrautvernichter Roundup aber weiter für den Einsatz in Gärten und der Landwirtschaft verkaufen dürfen. Freilich müssten die Parteien die Vereinbarung noch unterzeichnen, schränkt die Agentur ein. Auch der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns müsse noch zustimmen; dies könne im Juni so weit sein.
Bayer hatte schon vor Monaten signalisiert, dass man einen Vergleich erwäge, wenn dieser "wirtschaftlich sinnvoll" sei. Zudem pocht der Konzern darauf, dass ein Kompromiss auch künftige Glyphosat-Klagen "zu einem Abschluss" bringen sollte.
Bayer hatte die US-Firma Monsanto vor zwei Jahren für mehr als 55 Milliarden Euro übernommen. Kurz darauf urteilten Gerichte in ersten Glyphosat-Klagen erstinstanzlich gegen den Konzern und ordneten Schadenersatz an. In der Folge verlor Bayer deutlich an Börsenwert. Bis April dieses Jahres zählten die Leverkusener gut 52 000 ähnliche Klagen. Bayer hält Glyphosat bei sachgerechter Anwendung für sicher, beruft sich dabei auf Wissenschaftler und Behörden. Dennoch warben Kanzleien dafür, dass sich potenziell Betroffene der Klageserie anschließen sollten. Da nun noch die Aussicht auf einen Vergleich hinzukommt, geht auch Bayer davon aus, dass die Zahl der Klagen weiter steigen wird.
Bloomberg berichtet nun, dass der bevorstehende Vergleich bis zu 85 000 Klagen abdecken könnte. Diese Zahl umfasse offenbar viele potenzielle Kläger, deren Klagen noch nicht zugestellt oder noch gar nicht eingereicht worden seien, erklärt Bayer. Doch nicht alle Ansprüche, die Anwälte nun geltend machen wollten, wären auch wirklich für Vergleichszahlungen zu berücksichtigen, hält der Konzern dagegen.
Nichtsdestotrotz kommt die Aussicht auf ein baldiges Ende des Glyphosat-Streits an der Börse gut an. Dort hat die Aktie von Bayer am Montag knapp acht Prozent an Wert gewonnen.
