USA:Bayer erringt erstmals juristischen Sieg in US-Glyphosat-Verfahren

Unkrautvernichter Roundup von Monsanto mit dem Inhaltsstoff Glyphosat

Ob das Unkrautvernichtungsmittel Roundup für Krebserkrankungen verantwortlich ist, war bereits Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren in den USA.

(Foto: Regis Duvignau/REUTERS)

Das Urteil ist dieses Mal zugunsten von Bayer ausgefallen: Ein Kind ist in den USA an Krebs erkrankt, seine Mutter gibt die Schuld daran dem Unkrautvernichter Roundup. Die Geschworenen sehen das jedoch anders. Doch im Grundsatz ist nichts entschieden.

Es ist ein Hoffnungsschimmer für Bayer im jahrelangen Streit über den angeblich krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat, mehr aber offenbar noch nicht: Nach mehreren Niederlagen hat der Dax-Konzern aus Leverkusen erstmals einen juristischen Sieg in den USA errungen. Ein Geschworenengericht in Kalifornien befand, dass das Mittel nicht die Ursache der Krebserkrankung eines Jungen sei. Bayer hatte den US-Konzern Monsanto übernommen, den Herstellers des glyphosathaltigen Herbizids Roundup, und sieht sich mit vielen Klagen und hohen Schadenersatzforderungen konfrontiert.

Bei Ezra Clark war 2016 im Alter von vier Jahren das Burkitt-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, diagnostiziert worden. Clarks Mutter führte die Krebserkrankung auf Roundup zurück, das sie über mehrere Jahre auf ihrem Grundstück versprüht hatte. "Wir haben großes Mitgefühl für Ezra Clark und seine Familie, die Geschworenen haben aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Fall sorgfältig abgewogen und sind zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat nicht die Ursache seiner Krankheit ist" erklärte Bayer in der Nacht auf Mittwoch in einer Stellungnahme. Das Urteil entspreche sowohl der Einschätzung der zuständigen Regulierungsbehörden weltweit als auch umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Drei Verfahren hat Bayer verloren

Ein Anwalt der Klägerin Destiny Clark erklärte, man prüfe eine Berufung. Bayer-Aktien profitierten zunächst von dem Urteil, lagen dann aber wieder leicht im Minus. Das Urteil ist das vierte dieser Art im Zuge der Klagewelle in den USA wegen Glyphosat. Bislang hat Bayer drei Verfahren in erster Instanz mit millionenschweren Schadenersatzzahlungen verloren und in zwei der Berufungsverfahren Niederlagen erlitten. In einem dieser Fälle zogen die Leverkusener inzwischen vor den Obersten Gerichtshof der USA und reichten dort Berufung ein. Sollte der Supreme Court den Fall annehmen, rechnet Bayer mit einem Urteil im Laufe des kommenden Jahres. Sollten die Richter dann auch noch im Sinne von Bayer urteilen, hätte dies Signalwirkung für die vielen anderen anhängigen Verfahren.

Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann hat für sehr viel Geld den US-Konzern Monsanto übernommen und sich damit viel Ärger ins Haus geholt.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Denn eine Entscheidung zugunsten Bayers würde nach Einschätzung von Vorstandschef Werner Baumann mögliche künftige Rechtsstreitigkeiten im Grunde beenden. Der Bayer-Chef sieht dafür gute Gründe, da die US-Umweltbehörde EPA selbst Warnhinweise vor möglichen Krebsgefahren verboten hat. Aus Sicht der EPA stellt Glyphosat kein bedenkliches Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Bei einer Niederlage vor dem Supreme Court will Bayer dagegen ein Programm zum Umgang mit künftigen Ansprüchen aufsetzen, das voraussichtlich eine Laufzeit von 15 Jahren hat. Der Konzern müsste sich dann auch langfristig noch auf mögliche Klagen von Glyphosatnutzern in den USA einstellen.

Um vorzusorgen, bildete Bayer zusätzliche Rückstellung über 4,5 Milliarden Dollar. Zuvor hatte Bayer bereits mehr als elf Milliarden Dollar für ein Vergleichspaket zur Beilegung von US-Klagen zurückgestellt. Rund 96 000 Fälle sind bereits endgültig geklärt worden. Die Klagewelle gegen Bayer gibt es, seit Konzernchef Baumann Monsanto für 63 Milliarden Dollar übernommen hatte. Sie hat den Aktienkurs schwer getroffen und lässt Management und Investoren seit 2018 keine Ruhe. Mit aktuell gut 46 Euro kosten Aktien von Bayer, einst eines der wertvollsten Unternehmen im Dax, derzeit nur noch etwa halb so viel wie zum Zeitpunkt der Übernahme von Monsanto. Kein Papier im Dax hat seitdem mehr verloren.

Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen. Behörden weltweit haben das Mittel auch als nicht krebserregend eingestuft. Allein die Krebsforschungsagentur IARC, die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, bewertete den Wirkstoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend". Auf diese Einschätzung berufen sich die Kläger.

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