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Chemie:Streit ums Glyphosat könnte Bayer zehn Milliarden Dollar kosten

Bayer Werk

Womöglich kommt Bayer günstiger davon als bislang gedacht: Experten hatten bislang erwartet, dass ein Vergleich im Glyphosat-Streit 15 bis 20 Milliarden US-Dollar kosten könnte.

(Foto: dpa)
  • In den USA klagen Tausende gegen Bayer wegen des Pflanzschutzmittels Glyphosat.
  • Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Die Börse reagiert erleichtert: Die Aktie gewinnt mehr als drei Prozent.

Die zuletzt verärgerten Aktionäre von Bayer haben seit der Nacht auf Freitag eine neue Hoffnung: dass der Pharma- und Chemiekonzern aus Leverkusen den tausendfachen Rechtsstreit um das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat beenden könnte - vielleicht sogar für weniger Geld als bislang befürchtet. Bayer könnte die Konflikte möglicherweise für insgesamt zehn Milliarden US-Dollar beilegen, berichtet die Finanzagentur Bloomberg. Die Summe könnte sich demnach aber auch noch ändern, da die Verhandlungen nicht abgeschlossen seien.

Dennoch gewannen die Aktien des Konzerns im frühen Geschäft an der Frankfurter Börse mehr als drei Prozent an Wert. Denn Börsenanalysten hatten bislang erwartet, dass ein Vergleich im Glyphosat-Streit 15 bis 20 Milliarden US-Dollar kosten könnte.

Werbespots für Klagen gegen Bayer

Für Bayer wäre ein solcher Kompromiss der vorläufige Schlussstrich unter Monate voller Klagen und Kritik. Der Dax-Konzern, bekannt für sein Kopfschmerzmittel Aspirin, hatte das US-Unternehmen Monsanto im Jahr 2018 für mehr als 55 Milliarden Euro aufgekauft. Es war die größte Übernahme, die ein hiesiger Konzern je im Ausland gewagt hat. Monsanto stellt Saatgut und Pflanzenschutzmittel her - darunter auch Unkrautbekämpfer mit dem Wirkstoff Glyphosat. Bayer hat sich mithin ganz auf die Geschäfte mit Agrochemie und Medikamenten konzentriert.

Doch kaum hatten die Leverkusener die Übernahme abgeschlossen, häuften sich die Probleme: Mittlerweile haben mehr als 42 000 Menschen in den USA gegen den Konzern geklagt, weil sie Glyphosat-basierte Pflanzenschutzmittel für Krebserkrankungen verantwortlich machen. Kanzleien haben sogar in Fernsehspots dafür geworben, dass potenziell Betroffene Monsanto verklagen sollten. Führende Umweltbehörden weltweit hingegen halten den Wirkstoff nicht für krebserregend und haben entsprechende Produkte für den Verkauf zugelassen.

Erboste Anleger bei der Hauptversammlung

Dennoch gingen gleich drei Prozesse in erster Instanz zugunsten der Kläger aus, Bayer wurde jeweils zu mehreren Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. An der Börse verlor der Konzern zwischenzeitlich 30 Prozent an Wert. Zwar haben die Leverkusener in allen Fällen Berufung eingelegt. Dennoch kritisierten Investoren, dass Bayer offenbar die Risiken der Monsanto-Übernahme unterschätzt habe. Besonders deutlich wurde dies in der jüngsten Hauptversammlung, als die Mehrheit der anwesenden Investoren dem Vorstand um Werner Baumann die symbolische Entlastung verweigerte. Das hatte es bei einem Dax-Konzern zuvor noch nie gegeben. Seit dem vergangenen Sommer verhandelt nun der US-Jurist Kenneth Feinberg zwischen Bayer und den Anwälten der Kläger. Daher wurden alle weiteren geplanten Gerichtsverhandlungen in dem Streit einstweilen verschoben. Vorige Woche äußerte sich Feinberg "verhalten optimistisch", dass sich beide Parteien etwa binnen eines Monats einigen könnten. Zu den Bedingungen eines solchen Vergleichs wollte sich der Mediator freilich nicht äußern.

Keine Gewissheit, kein Zeitplan

Bloomberg zufolge könnte Bayer nun acht Milliarden US-Dollar zur Seite legen, um die derzeit anhängigen Streitfälle zu lösen - sowie weitere zwei Milliarden Dollar für mögliche, künftige Klagen. Die Anwälte einiger Kläger diskutieren mit dem Konzern über Vereinbarungen, die zu solchen Summen führen könnten, heißt es in dem Bericht.

Bayer betont, dass es keine Gewissheit oder einen Zeitplan für eine umfassende Lösung gebe. "Die Mediation wird gewissenhaft und zielorientiert fortgesetzt", teilen die Leverkusener mit, "um eine Lösung unter der Aufsicht von Ken Feinberg auszuloten."

Vorstandschef Werner Baumann hatte im Herbst Bedingungen genannt, unter denen Bayer einem Vergleich zustimmen könnte: Dieser müsste "wirtschaftlich akzeptabel" sein, so der Manager, zudem bräuchte Bayer "weitestgehende Sicherheit", dass ein Vergleich auch künftige Klagen ausschlösse. Es ist die große Hoffnung des Konzerns und seiner Aktionäre: den Rechtsstreit ein für alle Mal hinter sich zu lassen.

© SZ.de/hgn
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