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Bayer:Ein Desaster mit Ansage

Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus spritzen Spritze spruehen

Ein Landwirt bringt Spritzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat aus.

(Foto: Sven Simon/imago images)

Rückstellungen für den Vergleich mit den Glyhosat-Klägern in den USA belasten den Konzern. Vor allem das Pharma-Geschäft leidet unter der Corona-Pandemie.

Von Elisabeth Dostert

Die Überschrift über dem Quartalsbericht des Agrar- und Chemiekonzerns Bayer führt schon ein wenig in die Irre. "Solide Geschäftsentwicklung trotz Covid-19-Einfluss." Was unter dem Titel folgt, ist eher ein Desaster mit Ansage. Die Übernahme des US-Saatgut-Konzerns Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar im Sommer 2018 belastet den Leverkusener Konzern schwer. Vor allem Rückstellungen für den Ende Juni geschlossenen Glyphosat-Vergleich führten im zweiten Quartal 2020 zu einem Nettoverlust von 9,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von gut 400 Millionen Euro erwirtschaftet. Ohne die Sondereinflüsse stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im zweiten Quartal 2020 um 5,6 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. An der Börse gab der Aktienkurs von Bayer zu Handelsbeginn fast vier Prozent nach, erholte sich aber im Verlauf. Am Nachmittag lag der Kurs noch knapp drei Prozent im Minus.

Ende Juni hatte der Konzern eine Grundsatzvereinbarung mit den Klägern geschlossen, die den Unkrautvernichter Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat für ihr Krebsleiden verantwortlich machen - "ohne Eingeständnis einer Haftung", wie der Konzern stets betont. Damit will er etwa 75 Prozent der rund 125 000 Klagen beilegen. Die von Bayer vorg eschlagene Lösung für "künftige Klagen" sieht der US-Richter Vince Chhabria skeptisch. Dieser Teil der Vereinbarung bedarf seiner Zustimmung. Eine für Ende Juli anberaumte Anhörung wurde verschoben. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest, sagt Bayer-Vorstandschef Werner Baumann am Dienstag in einer telefonischen Investorenkonferenz. Die Verhandlungen seien komplex.

Allein in der Agrarsparte summierten sich die negativen Sondereinflüsse im zweiten Quartal auf 10,2 Milliarden Euro - im wesentlichen für Rückstellungen im Glyphosat-Vergleich. Erste Mittelabflüsse erwartet Bayer dieses Jahr, der Konzern geht davon aus, dass die Summe fünf Milliarden Dollar nicht überschreite und der überwiegende restliche Teil 2021 folgen werde.

"Die Corona-Pandemie ist längst nicht vorbei."

Der Umsatz des Konzerns sank im zweiten Quartal um 6,2 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro. Die Folgen der Corona-Pandemie spürt Bayer vor allem im Pharmageschäft, die Erlöse der Sparte sanken um 9,7 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro - zum einen wegen des größeren Preisdrucks in China, zum anderen weil in Kliniken und Praxen Behandlungen nicht durchgeführt oder verschoben wurden. Weil im Pharmageschäft im wesentlichen durch Rechtsstreitigkeiten um die Verhütungsspirale Essure negative Sondereinflüsse von 1,3 Milliarden Euro anfielen, macht die Sparte 165 Millionen Euro Verlust. Bis zum 24. Juli wurden Bayer in den USA etwa 32 000 Klagen wegen Essure zugestellt.

Aufgrund der Entwicklung im ersten Halbjahr passt Bayer seine Prognose für das Gesamtjahr an. In der vom Februar waren die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie noch nicht berücksichtigt. Ihre finanziellen Auswirkungen seien auch weiterhin nur schwer einzuschätzen. "Die Corona-Pandemie ist längst nicht vorbei", so Baumann in der Telefonkonferenz. Die Folgen seien deutlicher, tiefer und würden sich länger hinziehen als alle erwartet hätten.

2020 rechnet Bayer nun mit währungsbereinigt mit einem Umsatz von 43 bis 44 Milliarden Euro, eine Milliarde weniger als bislang erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und Sondereinflüssen prognostiziert Bayer auf 12,1 Milliarden Euro, bislang war der Konzern von 12,3 bis 12,6 Milliarden Euro ausgegangen. Währungsbereinigt rechnet Bayer mit Sonderaufwendungen von etwa 14 Milliarden Euro, damit dürfte auch das Ergebnis im Geschäftsjahr 2020 negativ ausfallen. Der Konzern will nun sparen, etwa bei den Reisekosten, und sein Effizienzprogramm beschleunigen. Die Zahl der Beschäftigten sank zur Jahresmitte auf knapp 101 200, 4,8 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

© SZ vom 05.08.2020
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