Nahaufnahme:Monsanto und kein Ende

Nahaufnahme: Werner Baumann: "Ich bin ein weißer, deutscher Mann Ende 50, der sein gesamtes Berufsleben in der gleichen Firma verbracht hat."

Werner Baumann: "Ich bin ein weißer, deutscher Mann Ende 50, der sein gesamtes Berufsleben in der gleichen Firma verbracht hat."

(Foto: Sascha Steinbach/dpa)

Die Übernahme des Saatgut-Herstellers hat dem Bayer-Chef viel Ärger eingebracht. Nun will Werner Baumann mit dem Konzern endlich wieder wachsen. An der Börse hätte er noch einiges aufzuholen.

Von Benedikt Müller-Arnold

Werner Baumann sucht zurzeit gute Nachrichten, das ist ja auch sein Recht. Kürzlich etwa machte der Bayer-Chef im Netzwerk Linkedin auf sich aufmerksam: "Ich bin ein weißer, deutscher Mann Ende 50, der sein gesamtes Berufsleben in der gleichen Firma verbracht hat." Nichtsdestotrotz stehe er für diverse Teams, schrieb Baumann. Und ordnete seinem Konzern eine Quote an: Bis 2030 sollen Frauen und Männer paritätisch die Top-Führungspositionen bekleiden.

Oder, Beispiel Coronavirus: Impfstoffe für Menschen waren bislang kein Geschäft von Bayer. Doch dieses Jahr verbündete sich der Konzern mit dem Tübinger Hersteller Curevac. Bayer rüstet nun Reinräume in Wuppertal auf, um das Vakzin dort künftig herzustellen. Vorab führte Baumann den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet schon mal persönlich durchs Werk.

Baumann, seit 2016 Bayer-Chef, will offensichtlich raus aus der Defensive. So auch jetzt, da er sich an zwei "Kapitalmarkttagen" virtuell Investoren-Fragen stellt. Der gebürtige Krefelder verteidigt die Strategie, den Konzern ganz auf Medikamente sowie Agrochemie zu fokussieren: Die Weltbevölkerung wächst, natürliche Ressourcen sind begrenzt. Da brauche es etwa neue Pflanzensorten, die weniger Dünger oder Wasser benötigen, so Baumann, "und gleichzeitig die Erträge steigern".

Doch sein großer Wurf in diese Richtung bringt bislang viel Ärger ein: 2018 übernahm Bayer für mehr als 50 Milliarden Euro den US-Saatguthersteller Monsanto. Seither haben Zehntausende Menschen geklagt, weil sie Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat für Krebserkrankungen verantwortlich machen. Baumann hält dagegen, dass Glyphosat bei sachgerechter Anwendung sicher sei. Dennoch bildete Bayer Milliarden-Rückstellungen für Vergleiche mit den Klägern. Die nächste wichtige Anhörung verzögert sich nun von Ende März auf Mitte Mai. "Wir sind dann fertig, wenn wir fertig sind", kommentierte Baumann den Rechtsstreit kürzlich in seiner nüchternen Art.

Baumann bleiben drei Jahre, noch das Beste aus seiner Amtszeit rauszuholen

Was das Wachstum der fusionierten Geschäfte betrifft, habe Bayer die hohen, selbst gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllt, gesteht Baumann nun. Doch das soll sich ändern, verspricht der 58-Jährige und verweist etwa auf neues Mais-, Soja- oder Baumwollsaatgut, das jüngst zugelassen wurde. Im Pharmageschäft werden 2024 zwar die Patente zweier Einnahmebringer, des Gerinnungshemmers Xarelto und des Augenmittels Eylea, ablaufen. Doch dafür, hofft Baumann, werde Bayer noch rechtzeitig andere Arzneien auf den Markt bringen.

Insgesamt will Baumann den Jahresumsatz von zuletzt gut 41 Milliarden Euro bis 2024 auf bis zu 45 Milliarden Euro steigern - und profitabler werden. An der Börse kam das gut an: Dort gewann Bayer am Mittwoch zeitweise vier Prozent an Wert. Allerdings notiert die Aktie noch immer 60 Prozent tiefer als im Jahr 2015.

Baumann bleiben drei Jahre, um noch das Beste aus seiner Amtszeit rauszuholen. Der Rheinländer hatte nach dem Studium in Aachen und Köln bei Bayer begonnen, zunächst in der Finanzabteilung. Danach ging er für den Konzern nach Spanien und in die USA. Zurück in Leverkusen, stieg er im Pharmageschäft auf, zog 2010 in den Konzernvorstand ein.

Doch 2024, so hat es Baumann angekündigt, soll seine Zeit bei Bayer nach dann gut 35 Jahren enden. Er strebe keine Vertragsverlängerung an, hat der Vater von vier Kindern früh klargestellt, genauso wenig wie Aufsichtsrat- oder Beratungsmandate. Stattdessen wolle er sich dann weitgehend aus der hiesigen Wirtschaftsöffentlichkeit zurückziehen.

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