Süddeutsche Zeitung

Bausparkassen-Vertreter im Nachtclub:Wüstenrot suspendiert Vertriebler

Wüstenrot zieht Konsequenzen aus dem Imagedesaster um einen Besuch ihrer Vertreter in einem Nachtclub: Neue Belohnungsreisen sind gestrichen, alte werden geprüft - und die ersten Reiseteilnehmer sind suspendiert worden.

Die Vorwürfe waren harsch - die Reaktionen ebenso: Etwa 20 Vertreter der Bausparkasse Wüstenrot sollen bei einem Trip nach Rio de Janeiro im April 2010 direkt aus dem Reisebus in den Nachtclub "Barbarella" spaziert sein. Einige von ihnen sollen dort mit Prostituierten angebandelt und sie mit auf ihre Zimmer genommen haben. Die Wüstenrot-Bausparkasse zieht nun erste Konsequenzen.

Im Konzern werden alle Incentive-Reisen gestrichen, heißt es in einer Mitteilung von Wüstenrot & Württembergische. Bislang werden mit solchen vom Unternehmen bezahlten Touren erfolgreiche Vertriebsmitarbeiter belohnt. Überdies sollen sämtliche Incentive-Reisen der vergangenen drei Jahre überprüft werden.

Außerdem hat das Unternehmen zwei selbstständige Handelsvertreter mit sofortiger Wirkung suspendiert. Sie hatten die Reise als Führungskräfte begleitet.

Wüstenrot behauptet, dass in Rio keine Aktivitäten organisiert oder finanziert worden seien, die gegen Verhaltensregeln des Unternehmens verstoßen hätten.

"Individuelles Fehlverhalten"

Die Vorkommnisse hätten allerdings gezeigt, dass "individuelles Fehlverhalten einzelner Vertriebsmitarbeiter" nicht vollständig ausgeschlossen werden könne.

Das generelle Aus für die Belohnungstouren begründete W&W mit den Worten: "Solche Anreizsysteme für Vertriebsorganisationen sind nach Auffassung der Finanzdienstleistungs-Gruppe nicht mehr zeitgemäß."

Die Konsequenzen würden auch "im Interesse der Kunden und zum Schutz der unbescholtenen Vertriebsmitarbeiter" gezogen. Am Vortag hatte W&W lediglich mitgeteilt, dass Belohnungstouren künftig nicht mehr ins Ausland führen sollten.

Bis Ende März 2012 will Wüstenrot nun erste Ergebnisse präsentieren. Sollten weitere Verfehlungen aufgedeckt werden, werde der Untersuchungszeitraum von bislang drei Jahren ausgeweitet.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) verurteilte die Eskapaden der Vertreter. "Dieser Vorfall kann ungerechtfertigt die ganze Vermittlerbranche beschädigen", sagte BVK-Präsident Michael Heinz. Kritiker halten dem Wirtschaftszweig seit Jahren vor, dass sich die Honorierung der selbstständigen Handelsvertreter zu stark an der bloßen Zahl der abgeschlossenen Verträge orientiere. Masse statt Klasse stehe so zu sehr im Vordergrund und die Qualität leide.

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