Baumarktkette vor der Pleite:Praktiker stellt Insolvenzantrag

Die Baumarktkette Praktiker beantragt ein Insolvenzverfahren. Konkurrent Obi kündigt an, Praktiker nicht übernehmen zu wollen. Aktionäre der krisengeschüttelten Kette erleben einen heftigen Kurssturz, die Aktie verliert mehr als 70 Prozent an Wert.

Die Baumarktkette Praktiker hat am Donnerstag wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragt. Das teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Für die Praktiker AG werde kurzfristig ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nachgereicht. Das Regelinsolvenzverfahren werde mit dem Ziel beantragt, einen Sanierungsplan zu erstellen, hieß es weiter.

Konkurrent Obi kündigte unterdessen an, Praktiker nicht übernehmen zu wollen. "Wir werden mit Sicherheit keine Kette übernehmen", sagte der Chef des Obi-Mutterkonzerns, Karl-Erivan Haub. Das Exposé zu Praktiker habe man vier Mal auf dem Tisch gehabt. "Es wurde zwar immer preiswerter, aber nicht besser", betonte er. Obi könnte aber möglicherweise an einigen guten Standorten interessiert sein. Wie viele Praktiker-Filialen infrage kämen, sagte er jedoch nicht.

Sein Aushängeschild Max Bahr will Praktiker nach Möglichkeit aus der Insolvenz heraushalten. In einem Brief an die rund 20.000 Mitarbeiter schreibt der Vorstand um Armin Burger, für die fast 200 unter der Marke "Max Bahr" firmierenden Baumärkte - wie auch das Auslandsgeschäft - solle kein Insolvenzantrag gestellt werden. Dabei gehe es sowohl um die 78 profitablen, seit jeher unter Max Bahr geführten Märkte als auch die gut 100 Häuser, die im Zuge der Sanierung in den vergangenen Monaten von der Marke Praktiker auf Max Bahr umgeflaggt worden waren.

Dramatischer Kursverfall

Noch am Donnerstag will der Vorstand Insolvenzanträge für die börsennotierte Praktiker AG und mehrere Töchter stellen. Die Praktiker-Aktien reagierten mit einem drastischen Kurssturz auf die drohende Insolvenz. Zuletzt brach der Kurs der Papiere um nahezu 72 Prozent auf nur noch elf Cent ein, nachdem er bereits zur Wochenmitte um knapp 20 Prozent abgestürzt war.

Praktiker steht nach einer Reihe von Rückschlägen vor dem Aus. Unter anderem die starke Konkurrenz unter den Heimwerkermärkten setzte Praktiker zuletzt immer mehr unter Druck.

Keine weiteren Finanzspritzen

Das Hamburger Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern hatte am Mittwochabend erklärt, dass Gespräche über die weitere Finanzierung der Sanierung gescheitert seien. Damit sei Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Der Konzern hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht, nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Damit führt an der Insolvenz kein Weg mehr vorbei.

Die Banken hatten Finanzkreisen zufolge schon am Dienstag signalisiert, dass sie zu weiteren Finanzspritzen für Praktiker nicht mehr bereit seien. "Es hat keinen Sinn mehr, weitere Löcher zu stopfen", hatte ein involvierter Banker gesagt. Der österreichische Großaktionär Alain de Krassny (Donau Invest) wäre dagegen bereit gewesen, noch einmal Geld nachzuschießen. Er sagte, eine Gruppe von Geldgebern hätte kurzfristig 40 Millionen Euro aufgetrieben. Praktiker hätte 30 bis 35 Millionen Euro zum Überleben gebraucht. De Krassny hält gut 10 Prozent an dem Unternehmen. Der Rettungsplan sei aber letztlich an fehlenden Sicherheiten für die Investoren gescheitert. Er glaube trotz alldem an das Unternehmen, die Belegsschaft und das Management.

Der lange Winter und das verregnete Frühjahr hatten Praktiker unter anderem im wichtigen Gartengeschäft zugesetzt und die Finanzreserven stärker als zu dieser Jahreszeit gewöhnlich aufgezehrt. Das durchkreuzte das Sanierungskonzept für die 430 Baumärkte. Deshalb kehrte Praktiker anders als geplant zu Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") zurück, die den Konzern schon vorher in Schieflage gebracht hatten.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/jasch/sebi
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