Baukindergeld Beim Staat kassieren 

Besonders profitieren Familien dort vom Baukindergeld, wo Boden und Häuser billig sind, etwa im Nordosten Bayerns.

(Foto: mauritius images)

Fast 50 000 Familien haben bereits das Baukindergeld beantragt. Ökonomen sprechen von Mitnahmeeffekten.

Von Thomas Öchsner

Für die einen ist es ein Geschenk, mit dem der Staat viel Geld zum Fenster hinauswirft. Für die anderen eine Prämie, die Familien hilft, den Traum vom Haus zu verwirklichen. Sicher ist: Das Baukindergeld ist begehrt. Drei Monate nach Einführung der Subvention haben bereits fast 47 500 Familien mit mehr als 82 000 Kindern die Leistung beantragt.

Laut Bundesinnenministerium kommen mehr als 10 000 und damit die meisten Anträge aus Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg (gut 6400), Niedersachsen (etwa 6000) und Bayern (fast 6000). In Berlin, wo die Wohnungsnot groß ist und viele einkommensschwache Bürger wohnen, ist die Zahl der Anträge mit 725 hingegen äußerst gering.

Gewährt wird Baukindergeld nur Familien und Alleinerziehenden mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von 90 000 Euro im Jahr bei einem Kind. Mit jedem weiteren Kind erhöht sich die Grenze um 15 000 Euro. Die 1200 Euro jährlich - gezahlt über zehn Jahre also 12 000 Euro pro Kind - gibt es beim Bau oder Kauf einer Immobilie, die die Familie selbst bewohnt. Das Baukindergeld lässt sich seit 18. September bei der Staatsbank KfW beantragen, auch rückwirkend, wenn das Projekt dieses Jahr gestartet wurde.

Erwartungsgemäß habe es zum Start "eine Bugwelle von Anträge" gegeben, sagte eine KfW-Sprecherin. Viele Familien holen sich jetzt offenbar noch schnell die Förderung, weil rückwirkende Anträge nur bis 31. Dezember gestellt werden können. Ökonomen wie Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hatten vor diesem Mitnahmeeffekt gewarnt. Familien, die sich nachträglich das Geld holen, hätten ja auch ohne den Zuschuss bauen oder kaufen können.

Anträge auf Baukindergeld sind bis zum 31. Dezember 2020 möglich. Bei im Durchschnitt zwei Kindern reicht das Fördervolumen von knapp drei Milliarden Euro im Jahr demnach für jährlich 125 000 Anträge. Sollte diese Mittel nicht ausreichen, greift das Windhund-Verfahren: Diejenigen, die zuerst kommen, erhalten das Geld. Wer zu spät kommt, geht leer aus, sofern das Budget dann ausgeschöpft ist. Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) sagte, das Baukindergeld ermögliche vielen Familien "den Schritt in das Wohneigentum, auch als Absicherung im Alter". Richtig viel bringt die Förderung aber nur Familien, die in wirtschaftsschwachen Regionen mit niedrigen Boden- und Immobilienpreisen wohnen, wie etwa im nordöstlichen Bayern oder im Südharz. In solchen Gebieten kann das Baukindergeld mehr als zehn, teilweise sogar gut 20 Prozent zur gesamten Finanzierung einer Vier-Zimmer-Wohnung beisteuern. Das ergab eine Analyse des Internetportals Immowelt. Zum Vergleich: In Städten wie München oder Starnberg bewegt sich in solchen Fällen die Förderung für eine Familie mit einem Kind bei ein bis zwei Prozent des Kaufpreises.