Landwirtschaft:Unwetter bedrohen deutsche Kartoffelernte

Lesezeit: 2 min

Die Kartoffelernte dürfte in diesem Jahr schwierig werden - nicht nur wegen der jüngsten Überschwemmungen in Süddeutschland. (Foto: Friedrich Bungert)

Knapp unter zwei Euro kostet ein Kilo Kartoffeln derzeit im Supermarkt. Doch der Markt ist unter Druck. Nicht nur wegen der jüngsten Überschwemmungen in Süddeutschland – sondern auch wegen eines berüchtigten Pilzes.

Von Sebastian Strauss

Pommes, Chips, Knödel und sogar italienische Gnocchi – die Liste der Produkte, die aus Kartoffeln hergestellt werden, ist fast so endlos wie hierzulande die Liebe zu ihnen. Der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln lag im Jahr 2023 bei durchschnittlich 54 Kilogramm. Die Vorstellung, dass Kartoffeln bald rar werden könnten, beunruhigt nicht nur die Liebhaber von Pommes. Große Teile der Ernte könnte nach den schweren Unwettern in den vergangenen Wochen ausfallen, warnen der Deutsche Bauernverband (DBV) und die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (Unika). Ursache sei die Kraut- und Knollenfäule, die durch den Pilz phytophthora infestan ausgelöst wird. Er befällt Laub und Knollen der Kartoffelpflanzen und kann Felder innerhalb weniger Wochen vollständig vernichten.

Keine guten Nachrichten also für Verbraucher und Landwirte. Sollte es zu Ernteausfällen durch die Krautfäule kommen, könnten die Marktpreise für Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse steigen, sagt Eike Wagner von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI). Das Preisniveau für Kartoffeln liegt schon seit Jahren auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Ein Kilo festkochender Kartoffeln kostet Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit 1,80 Euro – eine Steigerung von zehn Cent zum Vorjahr. Die steigenden Preise seien auf den Mangel an Saatkartoffeln zurückzuführen. Die werden von den Bauern benötigt, um neue Pflanzen anzusäen.

Starkregenfälle werden in den kommenden Jahren um das 1,2- bis Neunfache wahrscheinlicher

In der EU bauen etwa 1,5 Millionen landwirtschaftliche Betriebe Kartoffeln an – das entspricht knapp drei Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion der EU. Knapp ein Drittel der 9,8 Millionen Tonnen Speisekartoffeln aus Deutschland wurde im vergangenen Jahr zu Pommes, Chips oder anderen Kartoffelerzeugnissen weiterverarbeitet. Mit Engpässen in der Versorgung rechnet der Kartoffelverband Unica derzeit allerdings nicht. Der europäische Markt könne die fehlenden Erträge der Ernte noch ausgleichen, wenn es nicht zu weiteren unvorhersehbaren Witterungsverhältnissen komme.

Die zunehmenden Wetterextreme in Europa wirken sich auf die Landwirtschaft aus. Die Zahl der Unwetter in Europa stieg in den vergangenen Jahren an. Laut dem Deutschen Wetterdienst werden Starkregenfälle in den kommenden Jahren um das 1,2- bis Neunfache wahrscheinlicher. In Süddeutschland rechnen viele Produzentinnen und Produzenten nach dem jüngsten Hochwasser mit Ernteausfällen. Im vergangenen Jahr zerstörten Starkregen in Belgien, Frankreich und Großbritannien Teile der Ernte.

Mehr Unwetter begünstigen auch die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten. Sind die Felder zu nass, kann sich die berüchtigte Krautfäule ausbreiten, der Pilz bedroht seit Jahrhunderten die europäische Landwirtschaft. Der fortschreitende Klimawandel und das zunehmend feuchte und warme Wetter bieten dem Pilz immer bessere Bedingungen. Die Gefahr „massiver Krautfäule-Ausbrüche“ sei so groß wie seit Langem nicht mehr, sagt Olaf Feuerborn, Vorstandsvorsitzender der Unika. Bei den Bauern wächst derzeit die Angst vor Ernteausfällen, weil der Erreger schwer zu bekämpfen ist. Der Pilz entwickelt laut Unika schnell Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel, was die Auswahl wirksamer Pestizide stark einschränke.

Dass die Warnungen des Bauern- und Kartoffelverbands gute Gründe haben, zeigen die Ausbrüche der Krautfäule in Dänemark und den Niederlanden in den vergangenen Jahren. Ein Großteil der Ernten wurde dort laut den Verbänden in kürzester Zeit vernichtet. Unika schätzt den jährlichen wirtschaftlichen Schaden durch den Pilzbefall auf etwa 900 Millionen Euro – Tendenz steigend.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Deutsche Bahn
:Bericht: Inbetriebnahme von Stuttgart 21 auf Ende 2026 verschoben

Lange war unklar, wann der umstrittene neue Bahnhof in Betrieb gehen wird. Einem Bericht zufolge wird der Start weiter nach hinten verschoben. Am Dienstag will die Bahn über die Pläne informieren.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: