Bauarbeiter in Istanbul verbrannt:Deutsches Unternehmen beteiligt

Am Pranger stehen aber auch die Firmen die dafür gesorgt haben, dass die Arbeiter in die Billigzelte gepfercht wurden. Und während sich die türkischen Medien in ersten Reaktionen vor allem mit türkischen Baufirmen befassten - den Subunternehmern und dem federführenden Unternehmen Kayi - melden sich nun Leute, die mit dem Finger Richtung Deutschland zeigen.

Die Baustelle im Vorort Esenyurt ist ein Projekt der Firma ECE Türkiye, und die wiederum ist ein Tochterunternehmen der deutschen ECE Projektmanagement. Ein Unternehmen, das einst Versandhaus-Chef Werner Otto gründete, und dem seit dem Jahr 2000 dessen jüngster Sohn Alexander Otto vorsteht. ECE plant und baut vor allem Einkaufszentren, die Firma ist Marktführer in Europa. Die Potsdamer Platz Arkaden in Berlin gehören ihr ebenso wie das PEP-Einkaufszentrum in München. Und Zentren in 15 weiteren Ländern. 3,4 Millionen Menschen, rühmt sich die Firma, flanierten täglich durch ECE-Einkaufszentren. In der Türkei sind es bislang elf Projekte.

In Esenyurt soll der "Marmara Park" entstehen. Am 1. März 2011 gab ECE-Landesgeschäftsführer Andreas Hohlmann in Istanbul den Startschuss für das 220 Millionen Euro schwere Projekt, und schwärmte vom "Gestaltungsthema Galaxie" und von "spektakulärem Weltraumdesign". Die Firma wirbt in Deutschland mit ihrem sozialen Gewissen. "Statt auf die Maximierung des kurzfristigen Gewinns achtet die ECE auf Nachhaltigkeit und die gesellschaftliche Verantwortbarkeit ihrer Tätigkeit", heißt es auf der Webseite.

Und jetzt? Er sei "zutiefst geschockt und erschüttert", teilte Andreas Hohlmann von ECE Türkiye in einem Email-Interview der SZ mit. Für den Bau sei jedoch der Generalunternehmer Kayi zuständig, die Unterkünfte wiederum seien von dessen Subunternehmer Kaldem Yapi errichtet worden. "Direkte Vertragsbeziehungen zwischen uns und dem Subunternehmen gibt es nicht."

Auf Twitter schrieb am Dienstag der Ex-Parlamentarier und Menschenrechtler Mehmet Bekaroglu: "Jetzt tun sie alles, um sich zu drücken, die Deutschen und die türkische Firma Kayi. Sie werden sich einen Sündenbock suchen." Wenn sie es ernst meine, dann müsse die deutsche Firma zumindest "soziale und moralische Verantwortung" übernehmen, meint die Sozialwissenschaftlerin Asli Odman vom Istanbuler Zentrum für Arbeitssicherheit: "Eine Baustelle mit solch gesetzeswidrigen Unterkünften wäre in Hamburg oder Berlin unvorstellbar."

ECE-Manager Hohlmann hält dagegen, die Sicherheitsstandards entsprächen auch in der Türkei "denen auf unseren anderen Baustellen in ganz Europa." Das Argument zielt auf den Standort der Zelte: Die nämlich, so Hohlmann "befinden sich nicht auf dem Gelände der Baustelle". Fast wortgleich argumentiert die Baufirma Kayi, der federführende ECE-Partner in Istanbul. Kayi weist jede Verantwortung von sich. Schließlich lägen die Unterkünfte des Subunternehmers "komplett außerhalb der Baustelle". Es sind ziemlich genau 500 Meter.

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