Bau - Loissin:"Perle der Geschichte": Schloss Ludwigsburg wird saniert

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Blick auf das Schloss Ludwigsburg bei Greifswald im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Foto: Stefan Sauer/dpa (Foto: dpa)

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Loissin (dpa/mv) - Nach Jahren weitgehenden Stillstands soll die Sanierung des Renaissanceschlosses Ludwigsburg am Greifswalder Bodden Fahrt aufnehmen. In diesem Jahr habe der erste Bauabschnitt begonnen, sagte Gunnar Peters, Geschäftsführer des Fördervereins Schloss- und Gutshofanlage Ludwigsburg der Deutschen Presse-Agentur. Ende September solle die Sanierung der Fenster starten. "Das Schloss wird dann jeweils zu einem Viertel eingerüstet werden. Und diese Rüstung wandert im Laufe eines Jahres um das Schloss herum."

Die Anlage unweit von Greifswald gehört zu den letzten erhaltenen Schlössern der Pommerschen Herzöge, sie wurde zwischen 1577 und 1592 errichtet. Mittlerweile ist der Bau stark von Verfall gezeichnet. Nach der Wende hatten es Nachfahren der Eigentümer von vor 1945 zurückgekauft, schafften es aber nicht, den Bau zu sanieren. Anfang 2020 kaufte das Land das Schloss und 2021 auch den dazugehörigen Schlosspark für insgesamt vier symbolische Euro. Es verpflichtete sich zur Sanierung und die Anlage danach der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Sanierung des Zentrums der Anlage inklusive des Schlosses wird Peters' Angaben zufolge etwa zehn Jahre dauern. Insgesamt stünden 40 Millionen Euro zur Verfügung. Der Bund habe Ende 2018 bis zu 20 Millionen zugesagt unter der Voraussetzung, dass das Land ebenfalls so viel beisteuert. Der erste Bauabschnitt werde zusätzlich mit EU-Mitteln gefördert.

Von außen wirke der vergleichsweise nüchterne Bau auf viele Besucher nicht wie ein Schloss, sagte Peters. Sie hätten eher große, weiträumige Gebäude mit Türmchen im Kopf. "Der Hintergrund ist aber einfach, dass Ludwigsburg eben kein Residenzschloss ist." Vielmehr handelte es sich um eine Art Sommersitz für die Gattin des Herzogs Ernst Ludwig von Pommern. Als Sophie Hedwig es nutzten konnte, war sie bereits Witwe. Sobald Besucher das Innere gesehen hätten, verstünden sie aber das Potenzial des Baus. Im Inneren seien Kunstschätze wie Malereien und Stuckdecken zu großen Teilen noch erhalten.

Zum Reiz der Anlage trägt für Peters neben der pommerschen Herzogsgeschichte auch bei, dass dort Gutswirtschaft im großen Stil betrieben wurde. Die meisten der vielen Gutsanlagen im Nordosten hätten in ihrem Zentrum ein Herrenhaus oder ein vermeintliches Schloss. Beim Schloss Ludwigsburg handele es sich um ein echtes Schloss, das in herzoglichem Besitz gewesen sei. Zudem handele es sich um einen Originalschauplatz der norddeutschen Romantik. Der Maler Friedrich August von Klinkowström sei dort geboren worden und habe dort gewirkt. Er war Weggefährte der Maler Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge. Von einer "eine Perle der pommerschen Geschichte" spricht Peters.

Eine weitere Besonderheit ist, dass es eines der wenigen Schlösser in Vorpommern im Besitz des Landes ist. Die meisten befinden sich in Mecklenburg. Dieses Ungleichgewicht war in der Vergangenheit kritisiert worden. Vor Ludwigsburg gehörte in Vorpommern nur das Jagdschloss Granitz auf Rügen dem Land.

Peters bedauerte, dass das Pommersche Landesmuseum Ludwigsburg nicht als Außenstelle betreiben wolle. Von dort hieß es, Ludwigsburg als Außenstelle zu betreiben, wäre nicht durch den Stiftungszweck des Museums gedeckt. Vielmehr sei dies Aufgabe der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV. Nach Aussage Peters' wäre auch ein Betrieb durch diese Landesbehörde eine gute Lösung.

Der Schlosspark ist offen für Besucher, zudem finden auf der Anlage regelmäßig Veranstaltungen wie Konzerte oder Märkte statt. Zudem können Besichtigungen vereinbart werden. Ab Ende Juni bis Ende August gibt es jeden Mittwochabend Führungen auch im Schloss.

© dpa-infocom, dpa:230617-99-88331/2

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