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Gebühren:Arme Bankkunden zahlen mehr

Streik der Beschäftigten bei Geldtransportunternehmen

Basiskonten gibt es seit 2016. Sie sollen allen Bürgern die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichen, also etwa auch Obdachlosen, Bedürftigen oder Asylsuchenden.

(Foto: Sebastian Willnow/dpa)
  • Ein Basiskonto kostet im Jahr bis zu 250 Euro, zeigt eine Auswertung der Stiftung Warentest.
  • Bedürftige wie Obdachlose oder Asylsuchende sollen über dieses "Jedermann-Konto" Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr erhalten.
  • Verbraucherschützer kritisieren, Banken hielten sich mit hohen Gebühren unliebsame Kundschaft fern.

Wer arm ist, muss bei den Gebühren für sein Bankkonto besonders viel zahlen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Stiftung Warentest. Die Inhaber sogenannter Basiskonten müssen demnach für ihr Girokonto oft deutlich mehr ausgeben als normale Gehalts- und Rentenempfänger. Bei den teuersten Banken kostete die Kontoführung nach Angaben der Warentester mehr als 200 Euro im Jahr. Am teuersten sind die Basiskonten der Salzlandsparkasse und der Targobank: Sie verlangen etwa 250 Euro jährlich.

Basiskonten gibt es seit 2016. Sie sollen allen Bürgern die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichen, also etwa auch Obdachlosen, Bedürftigen oder Asylsuchenden. Das deutsche Zahlungskontengesetz schreibt daher vor, dass die Kreditinstitute jedem Verbraucher ein solches Konto gewähren müssen. Grundlage dafür ist eine EU-Richtlinie. Bei den Kosten für das Basiskonto allerdings bleibt das Gesetz vage: Der Preis müsse sich an marktüblichen Entgelten orientieren und "angemessen" sein. "Diese Schwachstelle führt dazu, dass die Gebühren immer höher werden", sagt Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV): "Denen die besonders wenig haben, greift man in die Tasche. Das ist ärgerlich und unfair - und sicher nicht Sinn des Gesetzes."

"Die Kunden, die ein Basiskonto haben, sind nicht sehr attraktiv für die Banken"

Tatsächlich haben sich die Kosten für Basiskonten in den vergangenen zwei Jahren noch einmal erhöht. Damals hatte die Stiftung Warentest die Gebühren für die Jedermann-Konten schon einmal untersucht. Im Vergleich zu 2017 hätten viele Banken nun den Grundpreis für das Konto und die Gebühren für Überweisungen per Papier angehoben. "Die typischen Nutzer von Basiskonten sind Filialkunden", sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Diese erledigten ihre Überweisungen oft in der Bank per Beleg.

Als Grund für die hohen Kontokosten gaben die Institute den Warentestern meist einen Mehraufwand für Beratung und Eröffnung des Kontos an. Auch müssten die Banken öfter die Kontoführung kontrollieren. "Das rechtfertigt jedoch nicht die zum Teil extremen Unterschiede zum normalen Girokonto", meint Kerstin Backofen. Ähnlich sieht es VZBV-Expertin Mohn: "Die Kunden, die ein Basiskonto haben, sind nicht sehr attraktiv für die Banken." Sie hätten in der Regel keine Sparverträge und bräuchten auch keine anderen Bankprodukte. Die hohen Preise der Basiskonten seien aus dieser Sicht auch ein "Abwehrmechanismus", meint Mohn: "Damit halten sich die Banken die Kunden ein stückweit fern." Nicht zuletzt deshalb führe der VZBV derzeit gegen zwei Banken Gerichtsverfahren wegen zu hoher Basiskontoengelte.

Immerhin: Nicht alle Banken greifen bei den Basiskonten über Gebühr zu. Bei zwei Geldinstituten sind die Konten sogar kostenlos: der PSD-Bank Karlsruhe-Neustadt und der Sparda Baden-Württemberg. Weitere 45 der 124 untersuchten Geldhäuser verlangen nach Angaben der Warentester weniger als 100 Euro im Jahr. Abgelehnt werden dürfen Kunden, die ein Basiskonto eröffnen möchten, nur in sehr seltenen Fällen. Wo es doch passiert, raten Verbraucherschützer dazu, die Schlichtungsstellen der Bankenverbände anzurufen oder sich an die Finanzaufsicht Bafin zu wenden. Diese kann den Anspruch durchsetzen.

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