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BASF:So schlimm wie erwartet

Trotz vieler Widrigkeiten in aller Welt zieht der Chemiekonzern seine Sparpläne durch und zwar noch schneller: Der Abbau von 6000 Stellen soll nun bis Ende 2020 abgeschlossen werden, ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Von Elisabeth Dostert, Ludwigshafen

Der Chemiekonzern BASF will in diesem Geschäftsjahr den Umsatz auf 60 bis 63 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen werde zwischen 4,2 und 4,8 Milliarden Euro liegen, prognostizierte Vorstandschef Martin Brudermüller am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Ludwigshafen. Das heißt: Die Richtung ist offen. Das Ergebnis kann im Vergleich zu 2019 sinken oder steigen. Allein die Spannen zeigen, wie groß die Unsicherheit ist.

Mit den Zahlen für 2019 ist Brudermüller "nicht zufrieden"; schon im Juli hatte das Unternehmen entsprechend gewarnt. Der Umsatz sank um 1,5 Prozent auf 59 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen fiel um fast 28 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.

Prognostiziert war ein Rückgang um bis zu 30 Prozent. Als hätte BASF nicht schon genug Lasten - der Brexit, die Handelskonflikte zwischen China und den USA, die Krise in der Automobilindustrie, einem wichtigen Abnehmer, und die daraus resultierenden Unsicherheiten und Konjunkturschwächen - ist in den vergangenen Wochen nun noch das Coronavirus hinzugekommen. Lieferketten würden unterbrochen. "Es wird uns mal wieder vor Augen geführt, wie globalisiert wir sind und wie tief China in die weltweiten Wertschöpfungsketten integriert ist." Brudermüller rechnet im ersten und zweiten Quartal mit deutlichen, negativen Effekten, die im Jahresverlauf nicht vollständig ausgeglichen werden könnten. Die Annahmen für 2020 berücksichtigen dabei laut BASF derzeit keine weltweite Ausbreitung des Virus.

Aller Unbilden zum Trotz hat BASF seine Pläne 2019 durchgezogen, um profitabler zu werden. Der Konzern habe "noch nie so heftige Portfoliobewegungen in einem Jahr gemacht", sagte Brudermüller. Der Verkauf des Pigmentgeschäftes an den japanischen Konzern DIC und der Bauchemie an den Finanzinvestor Lone Star ist unterschrieben, beides soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. 2019 wurde die Fusion der Tochter Wintershall mit Dea vollzogen. Der Börsengang des Öl- und Gaskonzerns ist für die zweite Jahreshälfte 2020 geplant, hängt aber vom Marktumfeld ab. BASF forciert den angekündigten Abbau von 6000 Stellen. Er soll ein Jahr früher als geplant schon bis Ende 2020 erfolgen.

2019 hatte Brudermüller immer wieder als Jahr des Übergangs bezeichnet. Und 2020? Da will er nun die "Knie durchdrücken". Das heißt wohl: Standhaft bleiben und Durchhalten bis die Zeiten wieder besser werden.

© SZ vom 29.02.2020

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