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BASF:Schwierige Zeiten

Verbundstandort Ludwigshafen

BASF-Werk in Ludwigshafen: Allein in Deutschland sollen rund 3000 Stellen gestrichen werden, viele davon in Ludwigshafen.

(Foto: Kunz/PR)

2019 wird für den Chemiekonzern ein Jahr des Übergangs. Trotzdem kaufen Anleger die Aktie.

Blöd, wenn sich der Vorgänger mit einem guten Ergebnis verabschiedet, und der Nachfolger dessen Prognose kassieren muss. So ist es Martin Brudermüller ergangen, seit Mai Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF. Er hat den Handelsstreit zwischen den USA und China nicht angezettelt, aber BASF leidet darunter. Einige Märkte kühlten in der zweiten Jahreshälfte ab, besonders die Autoindustrie, der größte Abnehmer. Die Nachfrage chinesischer Kunden hat deutlich nachgelassen. Und Brudermüller kann auch nichts für den heißen Sommer; die niedrigen Wasserstände des Rheins lähmten die Versorgung des Standorts Ludwigshafen.

Sein Vorgänger Kurt Bock hatte vor Jahresfrist noch einen leichten Anstieg von Umsatz und Ergebnis angekündigt. Schon im September passte der Konzern seine Rechnung an, weil die Tochter Wintershall mit ihrem Öl- und Gasgeschäft nach der Unterzeichnung der verbindlichen Vereinbarung mit Letter One über die Fusion mit Dea nun als nicht fortgeführtes Geschäft gerechnet wird. Das Ergebnis werde daher um bis zu zehn Prozent sinken. Mitte Dezember kassierte Brudermüller auch diese Prognose. BASF erwarte nun einen Rückgang um 15 bis 20 Prozent. So kam es auch.

Wie der Konzern am Dienstag mitteilte, fiel das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 17 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte wie angekündigt leicht zu, um zwei Prozent auf 62,7 Milliarden Euro. Allein im vierten Quartal brach das Ergebnis um 59 Prozent auf 630 Millionen Euro ein.

"Wir bewegen uns in einem schwierigen Umfeld", sagte Brudermüller in der Bilanzpressekonferenz. 2019 werde ein Jahr des Übergangs. Der Umsatz soll um bis zu fünf Prozent steigen, das Ergebnis ebenfalls leicht. Die Prognose unterstellt eine Entschärfung des Handelskonfliktes. Für den BASF-Chef geht es dabei allerdings "um mehr als um den Handel, sondern um die Positionierung zweier Supermächte in der Welt von morgen". Brudermüller will das im November vorgestellte "Exzellenzprogramm" forcieren. Die Trennung von der Bauchemie hatte er schon angekündigt, sie soll noch dieses Jahr erfolgen. Bis spätestens Ende 2020 will BASF auch das Geschäft mit Pigmenten veräußern. An der Börse wurde die Bilanz positiv aufgenommen. Die Aktie stieg um mehr als vier Prozent auf 67,56 Euro.

Wie andere Beteiligte an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 hatte BASF Anfang des Jahres Post von US-Botschafter Richard Grenell bekommen, in der dieser vor Sanktionsrisiken warnt. BASF-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel fürchtet sich nicht. Zwar ermögliche ein US-Gesetz vom August 2017 Sanktionen, der Darlehensvertrag der BASF sei vorher geschlossen worden und genieße Vertrauensschutz.

© SZ vom 27.02.2019

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