ChemieBASF schrumpft sein Stammwerk

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Das BASF-Gelände in Ludwigshafen ist mit zehn Quadratkilometern die größte zusammenhängende Industrieanlage der Welt .
Das BASF-Gelände in Ludwigshafen ist mit zehn Quadratkilometern die größte zusammenhängende Industrieanlage der Welt .
Uwe Anspach/dpa

Im Zuge seines Sparprogramms hat der Chemiekonzern seit 2024 weltweit bereits 7000 Stellen gestrichen. Wegen des Nahost-Kriegs profitiert er andererseits gerade von einer steigenden Nachfrage.

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Der Chemiekonzern BASF treibt seinen Umbau voran und hat die Größe seiner Belegschaft an seinem Stammsitz in Ludwigshafen auf den niedrigsten Stand seit 1954 reduziert. „Wir haben das Tempo noch einmal erhöht, um unsere globale Organisation schlanker und effizienter aufzustellen“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth am Mittwoch.

Allein im ersten Halbjahr 2026 habe BASF mehr Stellen abgebaut als in den beiden Vorjahren zusammen. Seit Januar 2024 hat der Konzern weltweit rund 7000 Stellen gestrichen. Der Rückgang in Ludwigshafen auf unter 30 000 Vollzeitstellen sei „ein wichtiger und notwendiger Schritt, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen“. Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten bis Ende Juni im Jahresvergleich um gut 14 Prozent auf rund 94 900 weltweit gesunken.

Im Tagesgeschäft profitierte BASF im abgelaufenen Quartal von einer anziehenden Nachfrage und kräftigen Preiserhöhungen. Dazu trug auch der Krieg im Nahen Osten bei: Aus Sorge vor Lieferunterbrechungen füllten viele Kunden ihre Lager auf, was die Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen ‌verbesserte. Zugleich sorgte das Hochfahren des neuen Milliarden-Verbundstandorts in Zhanjiang für ein kräftiges Mengenwachstum.

Wegen der unerwartet guten Geschäftsentwicklung hatte BASF bereits die Ziele für 2026 angehoben. Der Konzern erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Zuvor wurden 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zudem kündigte das Unternehmen am Mittwoch ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro an. BASF-Aktien stiegen um 2,8 Prozent und gehörten zu den größten Dax-Gewinnern.

Hintergrund ‌des Sparkurses ist die große Krise der europäischen Chemiebranche, die unter schwacher Nachfrage und hohen Energiepreisen leidet. BASF steht damit nicht allein: Auch Evonik, Wacker und Lanxess kündigten zuletzt den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen an. Kamieth ‌hatte bereits zu Jahresbeginn vor anhaltenden Absatzproblemen gewarnt und das Ziel ‌für jährliche Einsparungen auf 2,3 Milliarden Euro erhöht. Unter enormem Druck steht dabei vor allem der defizitäre Stammsitz in Ludwigshafen, der zuletzt das vierte Jahr hintereinander rote Zahlen schrieb.

Zwar schützt dort eine Standortvereinbarung die Beschäftigten bis Ende 2028 vor betriebsbedingten Kündigungen, dennoch legte BASF im Mai mit einem Umbauprogramm nach: Bis 2029 sollen die Fixkosten im Kerngeschäft um bis zu 20 Prozent sinken, was weitere Stellenstreichungen und die Verlagerung von Dienstleistungsstellen nach Indien nach sich zieht. Der ‌Umbau zeigt dem Konzern zufolge erste Erfolge: Der Anteil hoch wettbewerbsfähiger Produktionseinheiten in Ludwigshafen sei seit 2024 von 78 auf 88 Prozent gestiegen. Für die verbleibenden defizitären Anlagen fand Kamieth in einer Telefonkonferenz mit Analysten jedoch deutliche Worte: „Wir beobachten diese zwölf Prozent ständig mit der einfachen Frage: Können wir sie wettbewerbsfähig machen, oder sind das Anlagen, die wir auf lange Sicht auf eine Restrukturierung oder Schließung vorbereiten müssen?“

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