20 Jahre Euro-Bargeld:Warum die EU-Kommission hohe Barzahlungen verbieten will

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In kaum einem anderen Land zahlen die Menschen so gerne mit Scheinen wie in Deutschland. Das gilt auch für große Summen - doch damit soll bald Schluss sein.

Von Björn Finke, Brüssel

Bares ist Wahres, das gilt besonders in Deutschland. Die Bundesbürger zahlen vergleichsweise gern mit Scheinen und Münzen und nutzen Karten oder gar ihr Handy eher selten, wie internationale Umfragen zeigen. Doch zumindest bei sehr hohen Beträgen soll das nach dem Willen der EU-Kommission nicht mehr möglich sein. Die Brüsseler Behörde hat im Sommer Gesetzentwürfe präsentiert, mit denen sie den Kampf gegen Geldwäsche verschärfen will. Dazu gehört der Plan, eine EU-weite Obergrenze für Barzahlungen von 10 000 Euro einzuführen.

Deutschland ist einer von neun Mitgliedstaaten ohne so ein Limit. Die einzige Einschränkung hierzulande besteht darin, dass bei Beträgen über 10 000 Euro der Ausweis gezeigt werden muss. Das ist ein krasser Gegensatz zu Griechenland: Dort dürfen Kunden höchstens 500 Euro in bar bezahlen - die Regierung hofft, so Steuerhinterziehung einzudämmen. In Frankreich und Portugal sind es 1000 Euro; in anderen EU-Staaten ist die Grenze dafür üppiger, in Kroatien liegt sie bei 15 000 Euro. Der Vorschlag der Kommission würde den Regierungen weiter erlauben, unterschiedlich hohe Limits zu setzen, solange sie 10 000 Euro nicht überschreiten.

"So viel Geld in den Taschen herumzutragen, ist ganz schön schwer: Die meisten Menschen machen das nicht", sagte EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness dazu in einem Interview mit der SZ. "Aber wir respektieren es, dass Bürger Bargeld mögen, und wir wollen es nicht abschaffen." Ihre Behörde argumentiert auch, dass die großen Unterschiede bei den Obergrenzen den Wettbewerb verzerren. So könnten sich Händler in Ländern mit hohen Limits über zusätzliches Geschäft freuen, wenn Kriminelle die Staaten mit niedrigen Obergrenzen meiden - zum Nachteil der dortigen Händler. Nach Angaben der Kommission schätzen belgische Juweliere, dass ihnen 20 bis 30 Prozent Umsatz entgehen, weil Nachbarländer Barzahlungen bisher laxer handhaben.

Die Kommission ist zudem nicht die einzige Behörde, die auf strenge Obergrenzen drängt. Im Dezember 2020 empfahl der Bundesrechnungshof der Bundesregierung, im Kampf gegen Geldwäsche ein Limit von 5000 Euro zu prüfen. Und das Aus für die 500-Euro-Noten folgt der gleichen Logik: Die Europäische Zentralbank entschied schon 2016, den lilafarbenen Schein künftig nicht mehr auszugeben, um so Geldwäsche und Schwarzarbeit zu erschweren. Drei Jahre später wurden dann die letzten 500er unters wohlhabende Volk gebracht; sie behalten aber ihre Gültigkeit. Etwa 400 Millionen Stück laufen noch um.

Manchen EU-Abgeordneten geht das zu weit

Der Vorstoß der Kommission zu den Obergrenzen stößt jedoch im Europaparlament auf Kritik. "Nicht jeder Bargeldkauf ist ein Geldwäscheverdachtsfall, und man kann auch mit niederschwelligeren Methoden gegen Geldwäsche vorgehen", moniert der CSU-Abgeordnete Markus Ferber. "Die Kommission täte gut daran, die nationalen Befindlichkeiten zu berücksichtigen und es den Mitgliedstaaten zu überlassen, ob und in welcher Höhe es Bargeldobergrenzen gibt", sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion. Kein Zweifel: Beim Bargeld hört der Spaß auf.

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