Barclays:Tausende Jobs bedroht

Mehr als 30 000 der weltweit 132 000 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe: Der künftige Chef der Großbank Barclays, der erst noch gefunden werden muss, wird einen rigorosen Sparkurs verfolgen müssen. Kürzlich musste der bisherige Boss gehen.

Von Björn Finke, London

Erst musste der Chef gehen, und nun könnten ihm Tausende Angestellte folgen. Die britische Großbank Barclays erwägt, in den kommenden zwei Jahren mehr als 30 000 ihrer weltweit 132 000 Arbeitsplätze zu kappen. Das berichten britische Medien unter Berufung auf ungenannte Manager. Erst vor zwei Wochen entließ der Aufsichtsrat Antony Jenkins, den Vorstandsvorsitzenden des Deutsche-Bank-Rivalen. Kritiker warfen ihm vor, die Kosten des Londoner Instituts nicht schnell genug zu senken. Dabei hatte auch Jenkins bereits massiv Stellen gestrichen, allein im vergangenen Jahr12 000.

Bis kommendes Jahr wollte Jenkins, der Barclays seit dem Jahr 2012 geführt hat, weitere 7000 Jobs im Investmentbanking kappen. Top-Manager in dem Konzern schätzen allerdings, dass das nicht reichen wird, um den enttäuschend niedrigen Gewinnen und dem vor sich hin dümpelnden Aktienkurs einen Schub zu verleihen. Sie gehen den Medienberichten zufolge davon aus, dass Jenkins' - noch nicht gefundener - Nachfolger ein viel radikaleres Sparprogramm verordnen wird. Das Institut wollte sich nicht äußern.

Barclays betreibt wie die Deutsche Bank neben dem klassischen Filialgeschäft weiterhin ein umfangreiches Investmentbanking. Das war früher sehr lukrativ, doch seit der Finanzkrise machen strengere Vorgaben der Aufseher die riskanten Deals der Investmentbanker deutlich teurer. Zugleich belasten die niedrigen Zinsen die Ergebnisse. Barclays, Deutsche Bank und ihre Rivalen mussten zudem in den vergangenen Jahren Milliardenstrafen für Falschberatung und Manipulationen der Finanzmärkte zahlen. Auch das zehrt an den Gewinnen.

Andere britische Banken waren bei ihren Sparprogrammen ehrgeiziger als Barclays. Jenkins' Ziele machen sich bescheiden aus im Vergleich zur Royal Bank of Scotland, deren Mitarbeiterzahl sich seit der Krise halbiert hat - auch durch Verkäufe von Sparten. Lloyds verabschiedete sich fast von einem Drittel der Belegschaft.

Ein weiterer Grund für den Abgang von Barclays-Chef Jenkins war sein zerrüttetes Verhältnis zum Leiter des Investmentbankings. Jenkins kommt aus dem klassischen Bankgeschäft, er sollte 2012 als neuer Konzernchef aufräumen nach all den teuren Skandalen, in welche die Investmentbanker verwickelt waren. Doch befürchteten diese, dass Jenkins ihre Abteilung - einst Garant dicker Gewinne - kaputt schrumpfen will. Der Chef der Sparte drohte zu kündigen. Und der Aufsichtsrat entließ lieber den ohnehin umstrittenen Vorstandsvorsitzenden.

© SZ vom 21.07.2015
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