Großbritannien:Verbindung zu Epstein kostet Barclays-Boss Job

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FILE PHOTO: Barclays' CEO Jes Staley arrives at 10 Downing Street in London

Barclays-Chef Jes Staley ist zurückgetreten.

(Foto: PETER NICHOLLS/REUTERS)

Wegen seiner Verbindung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein tritt Jes Staley als Chef der britischen Großbank zurück.

Von Alexander Mühlauer, London

Im Frühjahr 2015 brach Jes Staley in die Karibik auf, um einen vermögenden Kunden zu besuchen. Der Banker arbeitete damals für das US-Geldhaus JP Morgan und betreute Jeffrey Epstein, der zu Geschäftsterminen gerne auf seine Privatinsel Little Saint James einlud. Dort fanden allerdings nicht nur Arbeitsessen statt, sondern offenbar auch Straftaten. Epstein soll in seinem Domizil auf den amerikanischen Jungferninseln minderjährige Mädchen missbraucht haben. Nach seiner Verhaftung im Sommer 2019 wurde der verurteilte Sexualstraftäter tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Seitdem untersuchen Ermittler weltweit die Verbindungen von Epstein.

Eine davon führt zu Jes Staley, der acht Monate nach seinem letzten Besuch auf Epsteins Karibikinsel den Chefposten bei der britischen Großbank Barclays übernahm. Nun hat ihn seine Epstein-Connection den Job gekostet. Barclays teilte am Montag mit, dass die Bank am Freitagabend über die vorläufigen Untersuchungsergebnisse britischer Aufsichtsbehörden zur Verbindung von Staley und Epstein informiert worden sei. Angesichts dieser Erkenntnisse und der Absicht Staleys, diese anzufechten, hätten sich die Bank und der Manager darauf verständigt, dass er seinen Posten als Vorstandschef aufgeben werde.

In der Mitteilung wies Barclays darauf hin, dass es in der Untersuchung der Finanzaufsicht FCA und der Bankenaufsicht PRA keine Beweise dafür gebe, dass Staley irgendeine der mutmaßlichen Straftaten von Epstein sah oder sich dieser bewusst gewesen sei. Das Verfahren der Behörden sei noch nicht abgeschlossen. Daher sei es nicht angebracht, sich weiter zu den vorläufigen Resultaten zu äußern.

Der Banker soll Epstein sogar im Gefängnis besucht haben

Staley stand seit Dezember 2015 an der Spitze von Barclays. Ins Visier der britischen Aufsichtsbehörden geriet er im vergangenen Jahr. Seitdem ging es um die Frage, wie ehrlich Staley in seinen Schilderungen bezüglich seines Kontakts zu Epstein gewesen war. Laut einem Bericht der New York Times aus dem Jahr 2019 soll Epstein sich nicht nur von Staley beraten haben lassen. Er soll auch Dutzende reiche Kunden an den Banker verwiesen haben, als dieser das Private-Banking-Geschäft bei JP Morgan leitete. Im Jahr 2008 soll Staley Epstein sogar im Gefängnis besucht haben, nachdem dieser sich schuldig bekannt hatte, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben.

Bereits im vergangenen Jahr war wegen der Untersuchung der britischen Aufsichtsbehörden über einen Rücktritt von Staley spekuliert worden. Die Financial Times hatte damals berichtet, JP Morgan habe den britischen Aufsehern E-Mails zwischen Epstein und Staley aus seiner Zeit bei dem US-Geldhaus zukommen lassen. Kritische Barclays-Aktionäre forderten daraufhin lautstark den Rücktritt des 64-Jährigen.

Nun ist es soweit. An der Londoner Börse kam die Nachricht von Staleys Abgang nicht gut an. Die Barclays-Aktie büßte zu Wochenbeginn zeitweise zwei Prozent ein. Da half es auch nichts, dass die Bank bereits einen Nachfolger Staleys benannte: C. S. Venkatakrishnan, bislang Head of Global Markets bei Barclays.

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