Barclays beugt sich Investoren:Großbank schränkt Chef-Bonus ein

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Barclays reagiert auf eine drohende Rebellion der Aktionäre: Die britische Großbank will die Auszahlung der Top-Boni künftig stärker vom Unternehmenserfolg abhängig machen. Konzernchef Diamond soll nur dann den vollen Betrag kassieren, wenn er die Rendite des Unternehmens deutlich steigert. Top-Verdiener bleibt er trotzdem.

Bod Diamond, Chef der Großbank Barclays, gilt vielen in Großbritannien als Prototyp des gierigen Bankers. Legendär ist ein Satz aus seiner Rede vor britischen Parlamentariern Anfang 2011: Damals ließ er die Abgeordneten wissen, "dass es eine Zeit des schlechten Gewissens und der Entschuldigungen gab, aber diese Zeit muss jetzt vorbei sein".

Im Klartext hieß das: Üppige Boni und damit exorbitante Gehälter für Banker sollten drei Jahre nach der Finanzkrise wieder legitim sein. Diamonds Bezüge sind in der Tat großzügig: Die Bank hat ihm im Jahr 2011 ein Gesamtgehalt von knapp 17 Millionen Pfund ausgezahlt - und das ist nicht alles. Hinzu kommt noch Spezial-Aufschlag: Barclays beglich 5,7 Millionen Pfund Steuerschulden für ihn.

Diamond hatte damit Empörung ausgelöst. Die Bank hingegen verteidigte die Zahlung zunächst. Diamond sei für den Chefposten bei Barclays von den USA nach Großbritannien gezogen, die Übernahme der durch den Umzug nötigen Nachzahlungen sei deshalb kein Bonus im eigentlichen Sinne.

Doch jetzt reagiert Barclays auf den Druck und stellt Bedingungen für die volle Bonuszahlung an Diamond. Sein Arbeitgeber hatte wohl die Wut wichtiger Investoren unterschätzt. Sie sollen gefordert haben, Boni an den Erfolg des Unternehmens zu koppeln.

Künftig sollen die Prämien für Top-Manager stärker davon abhängig sein, wieviel Rendite die Bank erzielt. Bankchef Bob Diamond und Finanzvorstand Chris Lucas sollen einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge die Hälfte ihrer in Aktien ausgezahlten Zulagen der kommenden drei Jahre erst bekommen, wenn sich die Geschäftslage des Instituts nach bestimmten Kriterien verbessert.

Bedingung für die Zuteilung der Hälfte der Aktienboni ist, dass die Kapitalrendite die Rate der Kapitalkosten von derzeit rund zwölf Prozent übersteigt.

Erreicht Diamond dieses Ziel in einem der drei Jahre, erhält er seinen vollen Bonus ausgezahlt, wie es in dem Bericht heißt. Sollte er es verfehlen, bekommt er knapp 1,5 Millionen Euro weniger.

Der Gewinn von Barclays war 2011 um drei Prozent auf 5,9 Milliarden Pfund zurückgegangen. Auch verfehlte die Bank mit 5,8 Prozent die angepeilte Eigenkapitalrendite von 13 Prozent deutlich.

Eher symbolischer Verzicht

Auch andernorts regt sich in der Bankenwelt Widerstand gegen Vorstandschefs, die Rekordsummen kassieren, obwohl ihr Institut wenig Geld verdient.

Erst vor einigen Tagen hatte es auf der Jahreshauptversammlung der Citigroup einen Eklat gegeben: Die Anteilseigner der amerikanischen Großbank verweigerten ihre Zustimmung zum Vergütungsplan für Vorstandschef Vikram Pandit und vier andere Top-Manager.

Diamonds erzwungener Verzicht ist angesichts seiner Gesamtbezüge von 17 Millionen Euro eher gering, dennoch geht von den jetzt beschlossenen Änderungen ein wichtiges Signal aus. Die Botschaft lautet: Die Gehälter der Banker sollen nicht mehr im luftleeren Raum schweben, völlig losgelöst vom Unternehmensergebnis, sondern an die Erreichung klarer Ziele und Zahlen geknüpft werden. Zwar wäre das nicht das Ende der Millionen-Gehälter, aber solch hohe Summen gäbe es in Zukunft eben nur, wenn sie durch den Erfolg des Unternehmens gerechtfertigt sind.

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