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Barack Obama:Die Billionen-Dollar-Last

Große Herausforderungen für den neuen Präsidenten: Barack Obama muss eine Weltwirtschaftskrise verhindern - und zugleich ein horrendes Staatsdefizit schultern.

Vermutlich hat sich das Schicksal von John McCain am 24. September entschieden. An diesem Tag unterbrach der republikanische Bewerber seinen Wahlkampf und fuhr nach Washington, um irgendwie bei der Verabschiedung des 700-Milliarden-Rettungspaketes für die Banken im Kongress zu helfen. Das sah schon damals nach hilfloser Gschaftlhuberei aus. Barack Obama dagegen reagierte kühl und überlegt. Er unterstützte das Paket der Bush-Regierung im Kern und sagte zugleich, was er besser machen würde. "Die Aufgabe des nächsten Präsidenten wird es sein, eine Weltwirtschaftskrise zu verhindern", sagte Obamas oberster Wirtschaftsberater Austan Goolsbee später. Daher sei es so wichtig, einen Präsidenten zu haben, der in schwierigen Zeiten cool bleibe.

Er hat's geschafft: Barack Obama ist neuer Präsident der USA.

(Foto: Foto: AP)

Die Fähigkeit Obamas, unter extremem Stress cool zu bleiben, könnte beim Umgang mit der Finanzkrise zu einem entscheidenden Pluspunkt werden. Die Last auf seinen Schultern ist riesig. Anders als andere gewählte Präsidenten vor ihm wird er mit seinen Entscheidungen nicht bis zur Inauguration am 20. Januar warten können. Ein erstes Datum ist der 15. November. An dem Tag kommt in Washington auf Einladung des scheidenden Präsidenten George W. Bush der Weltfinanzgipfel von 20 Industrie- und Schwellenländern zusammen. Für Obama ein schwieriges Abwägungsproblem: Einerseits muss er seine Distanz zu Bush so groß wie möglich halten, andererseits hätte der Gipfel wenig Sinn, wüssten die Teilnehmer nicht, was der neue Mann im Weißen Haus will. Wie wenig Zeit Obama hat, machten die Weltbörsen klar. Die sonst nach einem klaren Sieg bei Präsidentenwahlen übliche Rally blieb aus, die Aktienkurse in Europa und Amerika gingen zurück, weil sich die Zeichen für eine Rezession mehrten.

Schlüsselrolle für Volcker

Eine Schlüsselrolle in Barack Obamas Krisenpolitik hat Paul Volcker. Der 81-Jährige war von 1979 bis 1987 Präsident der Notenbank Federal Reserve und unterstützte Obama im Wahlkampf und hatte mit ihm tagtäglich über die richtigen Schritte im Umgang mit der Krise beraten. 1984 hatte er den Krach um den Zusammenbruch der Bank Continental Illinois gemeistert, bei dem sich im Miniaturmaßstab ähnliche Probleme stellten wie heute. Volcker ist Mitglied der "Gruppe der 30", einem internationalen Club von Notenbankern und Ökonomen.

Anfang Oktober hatte er im Auftrag der Gruppe ein Konzept für die Reform der Bankenregulierung auf globaler Ebene vorgelegt. Ob Volcker tatsächlich, wie einige in Washington vermuten, eine Zeitlang das Finanzministerium leiten wird, war bei Redaktionsschluss noch offen.

Obamas Krisenpolitik hat einen kurzfristigen und einen langfristigen Aspekt.

Kurzfristig wird sein Team mit Noch-Finanzminister Henry Paulson bei der Umsetzung des Bankenpaketes zusammenarbeiten. Das geht hin bis zu der Frage, an welcher Bank der Staat Anteile erwerben soll und an welchen nicht. Schon vor der Wahl hatte Paulson beide Kandidaten regelmäßig vorab über seine Schritte gerichtet. Der Minister hat ein Übergangsteam unter Leitung seines Stabschefs Jim Wilkinson etabliert, das sich mit Obamas Beratern abstimmen wird.

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