Geld, Gold oder Großmutters Geburtsurkunde: All solche Schätze lagern Menschen in Bankschließfächern. Es sind die wichtigsten Dinge, die sie haben. Wo auch sonst, wenn nicht bei der Bank, soll man sie lassen? Dass es unter der eigenen Matratze nicht sicherer ist, wissen die meisten Deutschen ja mittlerweile.
In Gelsenkirchen haben viele Menschen ihre Schätze nun dennoch verloren, weil in der dortigen Sparkasse mehr als 3000 Schließfächer aufgebrochen wurden. Dabei ist ein Schaden von wohl mehr als 100 Millionen Euro entstanden. Abgesichert war von der Bank alles nur bis zu 10 300 Euro pro Fach – dabei liegt der Wert der gestohlenen Beute vermutlich mehr als dreimal so hoch. Ist das in allen Banken so? Und wenn ja: Ist das Geld dann doch zu Hause besser aufgehoben? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Wofür haftet die Bank?
Die Inhalte eines Schließfaches sind in Banken bis zu einem gewissen Betrag versichert. Wie hoch dieser Betrag ist, hängt von der Filiale ab und wird durch den Vertrag zur Eröffnung eines Schließfaches festgelegt. Meistens liegt er nur zwischen 2500 und 10 000 Euro. In der Filiale in Gelsenkirchen lag die Grundversicherung nach Eigenangaben bei 10 300 Euro. Alle entstandenen Sachschäden an einem Schließfach, die über diesen Wert hinausgehen, sind nicht mehr versichert.
Es sei denn, Kundinnen oder Kunden haben eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen. Eine solche Versicherung über höhere Summen haben im Fall von Gelsenkirchen über 100 der 3000 Betroffenen abgeschlossen, wie ein Sparkassensprecher der Nachrichtenagentur dpa mitteilte.
Die Wertgegenstände sind dabei nicht für alle erdenklichen Situationen versichert. Auch hier kommt es auf den Vertrag an, den Kunden abschließen. Im Falle der Sparkassen sind Wertsachen etwa dann nicht versichert, wenn der Schaden durch Krieg oder Kernenergie entsteht.
In manchen Fällen sind Wertgegenstände in Schließfächern im Übrigen auch über die Hausratsversicherung mitversichert. In der Regel sind die Gegenstände dort über die sogenannte Außenversicherung als „vorübergehend ausgelagerter“ Hausrat inbegriffen. Die Hausratversicherung greift allerdings nur dann, wenn keine andere Versicherung den Schaden abdeckt.
Muss ich nachweisen, was im Schließfach war?
Kurz gesagt: Ja! Wer im Schadensfall Geld von der Versicherung einfordert, muss nachweisen, was abhandengekommen ist und wie viel es wert war. Die Sparkasse in Gelsenkirchen schreibt dazu auf der eigenen Website: „Für die Versicherung ist von Ihnen eine Inventarliste zu erstellen und die Werte sind zu belegen.“
Wer jetzt schnell vorsorgen möchte: Vorlagen für Wertgegenstandslisten gibt es bei der Polizei. Laut Verbraucherzentrale NRW kann es außerdem helfen, Zeugen mit zum Schließfach zu nehmen und die Inhalte zu fotografieren. Noch ein Tipp für Profis: Die Belege zu dem Schließfachinhalt sollten nicht im Schließfach verwahrt werden.
Wie teuer sind Schließfächer überhaupt?
Generell gilt für Schließfächer: Je größer, desto teurer. Der genaue Mietpreis unterscheidet sich je nach Bank. Es lohnt sich also, Preise zu vergleichen. Allerdings bieten die meisten Banken ihre Schließfächer inzwischen nur noch denjenigen an, die bei ihnen auch ein Girokonto führen. Von diesem wird dann die Jahresmiete eingezogen. Banken, bei denen das Konto bislang nicht Pflicht ist, verlangen von Nichtkunden teils hohe Aufpreise.
Je nach Größe bewegt sich die Miete für ein Schließfach im Schnitt zwischen 70 und 300 Euro im Jahr. Bei einigen Banken gibt es ein kleines Fach sogar schon für 50 Euro jährlich. Es ist dann jederzeit kündbar, kann allerdings häufig auch nur während der Öffnungszeiten der Bank eingesehen werden.
Wer hat Zugriff auf mein Schließfach?
Wenn sich nicht gerade Diebe daran bedienen, niemand. Auch Bankmitarbeiter wissen nichts über den Inhalt. Gerade deshalb ist es so wichtig, ihn selbst zu dokumentieren. Anonym sind Bankschließfächer aber trotzdem nicht. Mindestens die Kundenstammdaten müssen hinterlegt werden – also Name, Adresse und Geburtsdatum. Außerdem sind die Banken verpflichtet, ein sogenanntes Schließfachregister zu führen. Darin wird vermerkt, wann und wie oft ein Fach eingesehen wird.
Finanzbehörden dürfen die Registerdaten im Verdachtsfall abrufen, um Steuerhinterziehung oder Geldwäsche nachzuspüren. Wer Schwarzgeld auf seinem Schließfächern bewahren will, muss auch aufpassen: Weil illegale Einnahmen nicht einfach auf ein Konto eingezahlt werden können, ohne dass die Bank Verdacht schöpft, blicken Behörden grundsätzlich besonders auf Schließfächer.
Was gehört ins Schließfach – und was nicht?
Vor allem Wertgegenstände wie Goldbarren, Perlenketten oder Uromas einstiger Ehering gehören ins Schließfach. Auch wichtige Dokumente wie die Geburtsurkunde, das Testament, Versicherungspolicen, der erste Brief der Freundin und die Festplatte mit der Uni-Abschlussarbeit sind dort gut aufgehoben. Hat man noch ein klassisches Sparbuch, kann das ebenfalls eingeschlossen werden.
Geld lässt man besser auf dem Bankkonto. Dort ist es in der Regel bis zu 100 000 Euro versichert. Und weil dies ohnehin bei der Bank liegt, muss der Kunde den Besitz auch nicht nachweisen. In einem Schließfach ist der Nachweis über Bargeld komplizierter. Trotzdem Geld dort einschließen sollte nur, wer es wirklich bar behalten will, weil man es zum Beispiel in anderen Währungen oder seltenen Münzen hat.
Grundsätzlich verboten sind Lebewesen, Drogen, Waffen und radioaktives Material. Einzelne weitere Einschränkungen kann es je nach Anbieter geben, im Zweifelsfall lohnt sich eine Nachfrage bei der Bank.
Ist ein Tresor zu Hause sicherer?
Eher nicht. In Privathäuser wird deutlich häufiger eingebrochen als in Banken. Wer einen Tresor haben will, der solch einem Einbruch standhält, muss oft mehrere Tausend Euro ausgeben – da ist das Bankschließfach für viele Monate günstiger. Ist das Geld erst mal aus dem privaten Tresor geklaut, gibt es von der Hausratsversicherung auch meist weniger zurück als von der Bank.
Wer wirklich sichergehen will, schließt besser eine Zusatzversicherung für die Wertgegenstände im Bankschließfach ab. Traut man der örtlichen Sparkasse nicht mehr, gibt es auch private Anbieter für Schließfächer. Diese können noch teurer werden, werben dafür aber mit einer durchgängigen Überwachung und ständigem Zugang. Oft gibt es solche Schließfach-Dienste aber nur in größeren Städten.
