Bankgebühren:Hier müssen Bankkunden draufzahlen

Einzelhandel

Einzelne Banken verlangen schon Gebühren für jede Transaktion mit der EC-Karte.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Draufzahlen beim Zahlen: Was bislang nicht üblich war, wird zur Realität. Einzelne Girokonto-Besitzer müssen bereits Gebühren entrichten, wenn sie mit der EC-Karte zahlen.
  • Und auch für viele andere Dienstleistungen fallen inzwischen hohe Gebühren an. Die Banken stecken wegen der Niedrigzinsen in einem Dilemma.

Von Harald Freiberger und Benedikt Müller

Es ist eine seltsame Ankündigung, die den Kunden der Braunschweigischen Landessparkasse dieser Tage in den Briefkasten flattert: Wer bei ihr ein Girokonto besitzt, muss künftig fünf oder zehn Cent für jeden Zahlungsvorgang beim Konto bezahlen. Für jeden Einkauf mit der EC-Karte und jede Mietüberweisung per Dauerauftrag. Um dieser neuen Gebühr zu entgehen, können die Kunden von Braunschweigs größter Bank zwar in einen anderen Tarif wechseln, dort sind dann aber in jedem Monat 7,50 Euro für die Kontoführung fällig.

Draufzahlen beim Zahlen - so etwas war in Deutschland bisher nicht üblich. Normalerweise machen Banken und Händler die Kosten unter sich aus, wenn ein Kunde im Laden mit der EC-Karte zahlt. "Eine Kundengebühr für den reinen Einsatz der Karte haben wir noch nicht beobachtet", sagt Peter Weißenberg vom Finanzportal Biallo.de. Auch Christian Urban, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, hält ein solches Gebaren zumindest nicht für gang und gäbe.

Filialen schließen, Gebühren steigen

Die Braunschweiger Bank begründet ihren Schritt damit, dass sich das Nutzungsverhalten der Kunden geändert habe und die Kosten gestiegen seien. Es sei eine Frage der Preisgerechtigkeit, dass intensive Nutzer mehr zahlten als Kunden mit wenigen Vorgängen. Finanzexperte Weißenberg kritisiert das Entgelt: "Das heißt ja, wer für zwei Euro per Karte ein Busticket kauft, zahlt bis zu fünf Prozent an Gebühr drauf." Das läppere sich gerade für Menschen, die die Karte für kleine Summen nutzen. Zudem wird es für Kunden schwieriger, zu vergleichen, wie viel das Konto bei ihrem Institut nun wirklich kostet.

In jedem Fall passt die Ankündigung in die Zeit. Die Bundesbank beobachtet, dass viele Institute ihre Gebühren erhöht haben oder darüber nachdenken. So kündigte Postbank-Chef Frank Strauß kürzlich an: "Wir müssen uns in diesem Jahr ansehen, welche Dienstleistungen wir noch kostenlos anbieten können." Die Banken stecken in einem Dilemma: Sie können die Einlagen ihrer Kunden kaum noch gewinnbringend anlegen, weil die Zinsen so niedrig sind. Parken sie Geld bei der Europäischen Zentralbank, müssen sie Strafzinsen von 0,4 Prozent bezahlen.

Deshalb versuchen die Geldhäuser, jetzt ihre Kosten zu senken: Sie schließen Filialen, zumal immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte online erledigen. Gleichzeitig versuchen die Finanzinstitute, zu verdienen, wo es noch möglich ist - etwa bei Gebühren für Dienstleistungen, die bisher günstig oder kostenlos waren.

Bankkarten

Längst ist die EC-Karte der Schlüssel zu einer Bank: Ohne Girocard können die meisten Sparer kein Geld abheben und keinen Kontoauszug ausdrucken. Neuerdings wird bei einigen Genossenschaftsbanken für die EC-Karte eine jährliche Gebühr fällig, etwa zehn Euro bei der Sparda-Bank West. Eigentlich werben die Sparda-Banken seit jeher mit kostenlosen Girokonten. "Doch wenn eine Gebühr für die Bankkarte erhoben wird, ist das Girokonto nicht mehr kostenlos", kritisiert Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch erste Sparkassen verlangen ein jährliches Entgelt für die EC-Karte.

Kontoführung

Mehrere Banken haben den Stichtag 1. April genutzt, um ihre Kontoführungsgebühren zu erhöhen. Beispielsweise die Sparkasse Kleve, die als einen Grund die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone nennt. Die Sparkasse Landsberg und die Vereinigte Volksbank Münster bieten neuerdings kein kostenloses Online-Konto mehr an. Immer mehr Banken lassen ihren Kunden die Wahl zwischen verschiedenen Konto-Modellen: Je mehr der Sparer online oder am Automaten erledigt, desto günstiger die Konditionen. Damit reagieren Filialbanken auf die Konkurrenz von Direktbanken. Online-Anbieter wie ING Diba oder Consors-Bank versprechen weiterhin eine kostenlose Kontoführung. Auch bei Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Postbank zahlen Giro-Kunden keine Entgelte, wenn sie ihre Bankgeschäfte online oder am Automaten erledigen. Wer dies aus Datenschutz- oder Sicherheitsbedenken ablehnt, muss mehr zahlen.

Papier-Überweisungen

Als die Postbank vor einem Jahr ankündigte, sie werde künftig 99 Cent Gebühr verlangen, wenn ein Kunde eine Papier-Überweisung einreicht, war die Aufregung groß. Inzwischen haben viele Banken und Sparkassen nachgezogen. Bis zu zwei Euro stellen sie in Rechnung, wenn ein Giro-Kunde einen Überweisungsträger abgibt. Damit wollen die Banken jene Kunden belohnen, die ihre Überweisung online erledigen. Von Juni an verlangt auch die Commerzbank 1,50 Euro - allerdings nur für die Kunden ihres kostenlosen Girokontos. Wer Kontoführungsgebühr bezahlt, soll nicht doppelt belastet werden. Bei vielen Sparkassen erlauben die günstigsten Konto-Modelle nur eine begrenzte Anzahl von Papier-Überweisungen pro Monat. Wer mehr Arbeit verursacht, muss zahlen.

Fremdabhebungen

Vor vier Jahren einigten sich die Geldhäuser, auch auf Druck des Kartellamts, auf eine verbraucherfreundliche Lösung: Private Banken, etwa Deutsche, Commerz- und Postbank erklärten sich bereit, die Gebühr auf 1,95 Euro zu begrenzen, wenn ein Kunde einer anderen Bankengruppe, etwa einer Sparkasse, an ihren Automaten Geld abhob. Doch nach einiger Zeit war es damit wieder vorbei: 2015 kippten die Privatbanken die Selbstverpflichtung, seitdem nehmen sie wieder vier bis fünf Euro pro Fremdabhebung. Ihre Begründung: Sie wollten nicht länger die Dummen sein, weil die Konkurrenz von Sparkassen und Volksbanken bei der Begrenzung von Haus aus nicht mitgemacht hatten.

Einzahlungen

Das Hantieren mit Bargeld, besonders mit Münzen, ist für Banken teuer; Transport und Sicherheit kosten. Früher waren solche Serviceleistungen bei den Instituten gratis, doch inzwischen verlangen mehr und mehr dafür Geld. Das gilt selbst für das Einzahlen von Scheinen und Münzen am Automaten. Bei der Stadtsparkasse München zum Beispiel ist nur eine Einzahlung pro Monat gratis, beim zweiten Mal kostet es 1,50 Euro. "Generell sehen wir den Trend, auch Leistungen in Rechnung zu stellen, die zum größten Teil der Kunde selbst am Terminal oder online erbringt", sagt Experte Weißenberg. Die Geldhäuser seien da sehr erfindungsreich.

© SZ vom 04.04.2016
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