Bankenverband veröffentlicht vertrauliches Dokument Wie teuer Griechenlands Pleite sein soll

Der Stichtag für den Schuldenschnitt der privaten Gläubiger steht kurz bevor. Der Erfolg der freiwilligen Umtauschaktion ist allerdings zweifelhaft. Dass ausgerechnet jetzt der Bankenverband IIF ein Horrorszenario für den Fall einer griechischen Pleite publik macht, ist kein Zufall.

Niemand verzichtet gerne freiwillig auf sein Geld. Das müssen die Griechen derzeit schmerzlich feststellen. Verzweifelt versuchen sie, private Gläubiger zu einem Umtausch ihrer Anleihen zu bewegen - bis Donnerstagabend bleibt noch Zeit. Wer dem Deal zustimmt, erhält neue Papiere, verzichtet aber gleichzeitig auf 53,5 Prozent seiner Forderungen. Für den Restwert werden neue Anleihen mit längerer Laufzeit ausgestellt. Anlageexperten gehen davon aus, dass sich die Verluste bei einem Umtausch auf mehr als 70 Prozent belaufen und raten kleineren Privatanlegern daher von dem Deal ab.

107 Milliarden Euro soll Athen durch den freiwilligen Schuldenschnitt sparen. Sollten sich zu viele Gläubiger an ihre alten Papiere klammern, hat die griechische Regierung die Möglichkeit, einen zwangsweisen Forderungsverzicht zu veranlassen. Die Zwangsklauseln sollen dann zum Einsatz kommen, wenn weniger als 75 Prozent ihre Anleihen freiwillig eintauschen. Bei einer Beteiligungsquote, die geringer als 90 Prozent ausfällt, behält sich Athen diese Möglichkeit immer noch vor - bei einem höheren Anteil wird von solchen Zwangsmaßnahmen abgesehen.

In Griechenland gibt man sich noch optimistisch. Eine Verlängerung der Frist über den 8. März hinaus sei ausgeschlossen, heißt es aus dem Finanzministerium. Euro-Gruppe, Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) sind da weniger zuversichtlich: Man rechne damit, dass die freiwillige Beteiligung nicht ausreichen wird, um einen Zwangsumtausch zu vermeiden.

Daher kommt der Zeitpunkt nicht ganz überraschend, zu dem ein vertrauliches Dokument aus Kreisen des Welt-Bankenverbandes IIF an die Öffentlichkeit dringt. In dem Papier beschwören die Banker ein düsteres Szenario für den Fall, dass der Schuldentausch nicht klappt - und Griechenland wirklich pleitegeht.

Detailreich werden in dem Papier die Folgen aufgeführt. Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Denn der IIF hat sich entschieden mitzuziehen - und hat deshalb Interesse daran, dass möglichst viele andere Gläubiger mitziehen.

[] Der IIF schätzt die Gesamtkosten einer Pleite Griechenlands auf eine Billion Euro. Eine präzise Berechnung der Kosten sei natürlich schwierig, "aber es ist kaum absehbar, dass sie unter einer Billion Euro lägen".

[] Allein 160 Milliarden Euro werde es kosten, die schlingernden Banken mit frischem Kapital zu versorgen. Die EZB werde es besonders hart treffen: Die Griechenlandbeteiligungen der Bank beliefen sich auf 177 Milliarden Euro. Das entspräche dem Doppelten der Kapitalbasis.

[] Durch eine Pleite der Griechen würden auch die anderen Länder der Euro-Zone unter Druck geraten. Die Investoren zögen sich aus dem Anleihemarkt zurück, die Zinskosten würden steigen - und die Staaten seien letztlich ebenfalls auf Hilfskredite angewiesen. Den Bedarf von Portugal und Irland beziffert der IIF auf 380 Milliarden Euro, Italien und Spanien benötigten 350 Milliarden Euro.

[] Auch auf die möglichen Konsequenzen für Deutschland gehen die Autoren ein. Die Wirtschaft hierzulande werde unter der sinkenden Nachfrage in den anderen Staaten leiden und so letztlich auch in eine Abwärtsspirale geraten - ebenso wie die gesamte Weltwirtschaft.

Die im IIF versammelten Banken wollen sich am Schuldenschnitt beteiligen. Zwölf der 13 Mitglieder haben sich schon bereiterklärt, ihre Anleihen gegen neue Papiere zu tauschen, darunter auch Deutsche Bank und Commerzbank. Offiziell ist die Teilnahme freiwillig, tatsächlich kam sie auf Druck der Euro-Staaten zustande. "Das ist so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition", hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärt.

Das als "vertraulich" gekennzeichnete Dokument stammt bereits vom 18. Februar - dass das Papier gerade jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, könnte mit dem Kalkül der Banken zu tun haben. Das Horrorszenario könnte die privaten Anleger kurz vor Ende der Frist doch noch zu einem Umtausch bewegen. Und eine Warnung der Lobby an die nationalen Regierungen sind die Zahlen ebenfalls.