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Banken:Überraschend mehr Gewinn

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Die Commerzbank hat sich eine neue Strategie verordnet.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Commerzbank wartet nur wenige Wochen nach der Verkündung der neuen Strategie mit guten Zahlen auf. Auf die Kunden kommen nun zum Teil höhere Preise zu.

Solch erfreuliche Botschaften haben die Aktionäre der Commerzbank lange nicht mehr gehört: Wie das Geldhaus am späten Montagnachmittag per Börsenpflichtmitteilung vermeldete, hat die Commerzbank ihren operativen Gewinn im dritten Quartal um fast ein Drittel gesteigert und damit die Schätzungen von Analysten übertroffen. Dank des Verkaufs der Tochter Ebase, gesunkener Kosten und weniger Vorsorge für faule Kredite stieg der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 294 Millionen Euro, wie das im MDax gelistete Geldhaus auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die Erträge der Commerzbank kletterten, beeinflusst von Sondereffekten, um zwei Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte ebenfalls stärker als erwartet zu, um knapp 30 Prozent auf 448 Millionen Euro.

An der Börse kam die Nachricht gut an: Der Aktienkurs stieg am Nachmittag um mehr als zwei Prozent. Das komplette Zahlenwerk zum dritten Quartal will das Institut wie geplant am 7. November vorlegen. Dass die Bank nun plötzlich mit guten Zahlen aufwartet, ist gleichwohl überraschend - schließlich hat sich am Umfeld für das Bankgeschäft nicht viel geändert, seit das Institut Ende September eine neue Strategie vorgestellt hat, mit der die Bank endlich aus dem jahrelangen Siechtum herausfinden will. Unter dem Strich streicht die Commerzbank 2300 Stellen, schließt jede fünfte der insgesamt 1000 Filialen, verkauft die polnische Tochter M-Bank und integriert die Online-Tochter Comdirect. Bei wichtigen Großaktionären allerdings hatte die neue Strategie noch nicht verfangen. Allen voran der einflussreiche US-Fonds Cerberus, der mindestens fünf Prozent an der Commerzbank hält, ist nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg unzufrieden mit der neuen Strategie. Der Bund, der noch mit 15,6 Prozent an dem Institut beteiligt ist, lässt die Strategie derzeit von der Unternehmensberatung Boston Consulting unter die Lupe nehmen.

In jedem Fall werden auch die Kunden die neue Strategie früher oder später zu spüren bekommen. Während noch unklar ist, was dies im Detail für Privatkunden bedeutet, haben die Geschäftskunden inzwischen Gewissheit, dass sie mehr bezahlen müssen: Wie aus einem Hinweis auf der Internetseite hervorgeht, müssen Selbständige und Unternehmerkunden ab dem 1. Januar 2020 zwischen 25 und 43 Prozent mehr für ihr Geschäftskonto bei der Commerzbank bezahlen. Zuerst hatte der Branchen-Newsletter Finanz-Szene.de darüber berichtet.